Reisebericht - Mit dem Boot durch die Halong Bucht

Die Rucksäcke zwischen ein paar Mopeds gestopft, haben wir schnell einen Sitzplatz auf dem kleinen Boot ergattert. Geschafft! Auf der Fähre zur Insel Cat Ba, die mitten in einem UNESCO Weltkulturerbe liegt: der Halong Bucht! Berühmt für ihre 2.000 Kalksteinfelsen, die aus dem Meer ragen!

Kaum auf die Plastiksitze des Bootes hingepflanzt, haben wir gemerkt: neben uns sitzt ein redelustiger Kalifornier in Pfadfindermontur. Er hat uns sofort angesprochen und die übliche Unterhaltung ging los: „Woher kommst du? Wie lange bleibst du? Und wo geht’s noch hin?“ Auch wenn die Fragen jedes Mal dieselben sind, irgendwie ja doch immer wieder cool.

Nur… dieses Mal waren zwar die Fragen dieselben wie immer – aber mit den Antworten hatten wir dann doch nicht gerechnet. Der als Pfadfinder getarnte Mann war ein Forscher – und das seit vielen Jahren, so ziemlich überall auf der Welt. „Ich bin jetzt seit 2 Wochen hier auf Cat Ba, und leite einige Monate ein Naturschutzprojekt. Wir versuchen hier eine vom aussterben bedrohte Affenart zu schützen – es gibt nicht einmal mehr 60 auf der Welt von ihnen.“ Warum das so ist? Das erfuhren wir später auf der Reise auch noch…

Wir unterhielten uns mit ihm die gesamte Boots- und anschließende Busfahrt bis ins kleine Zentrum von Cat Ba. Es war, als hätten wir einen privaten Guide neben uns: Er erzählte viel über seine Arbeiten auf der ganzen Welt, den Regenwald und die Natur auf Cat Ba, warum die Vegetation hier so ist und was es so besonders macht. Dafür liebt man doch das Reisen – die interessanten Menschen, die man kennenlernt! Wir müssen dahingegen wohl ziemlich langweilig gewirkt haben: „Ja cool… achso, wir? Ja nee… wir reisen hier nur paar Wochen… dann wieder Arbeit und Uni. Aber… – wir spielen Handball! Cool, was?“ Haha!

Waren fast schon traurig, als wir aussteigen mussten und uns von ihm verabschiedeten. Er war wie der Biolehrer, den man sich immer gewünscht hatte. Also, wenn Biounterricht überhaupt – dann bei ihm! Die Rucksäcke aus dem Bus geschnappt, machten wir uns auf die Suche nach einer Unterkunft, um ein paar Stunden später beim Veranstalter Cat Ba Ventures im Büro zu stehen.

 

„Wir hatten bereits Mailkontakt wegen der Tour durch die Halong Bucht!“

Denn wir hatten im Vorfeld recherchiert und ungefähr das gelesen: „Cat Ba Ventures macht die geilsten Touren durch die Halong Bucht! Man ist in kleinen Gruppen und kann sie individuell gestalten. Klettern, Kanu, Höhlen oder nur auf dem Boot rumhängen.“

Perfekt! Denn viele Touren durch die Halong Bucht finden auf solchen Minikreuzfahrtschiffen statt. Mit fixem Programm und natürlich zig Touris. Ehm… nee. Einfach nee. Und so waren wir dann froh, den Veranstalter gefunden zu haben! Und es war genauso, wie man es  sich besser nicht hätte vorstellen können!

Es war der nächste Morgen, als wir mit nur einem anderen Pärchen aus Australien auf das kleine Holzboot stiegen.

Reisebericht - Tour durch Halong Bay

Mit dabei: Unser Tourguide: Victory (unten links im Bild). Er hat sich mit dem Namen vorgestellt, weil sein vietnamesischer Name ja eh zu kompliziert sei. Dann halt Victory. Warum nicht. Das zweite Besatzungsmitglied war der Kapitän und Koch in einer Person (rechts im Bild). An den Namen erinnern wir uns nicht mehr, aber dass er gerne und viel über seine eigenen Witze lachte ist hängen geblieben.

Kaum waren wir an Board, ging die Fahrt schon los. Hinein in die Halong Bucht. Wir packten unsere Rucksäcke in die geräumige Kabine und liefen direkt nach oben. Ganz langsam legten wir ab. Die Geräusche der Straße und der Stadt wurden mit jedem Meter leiser, bis sie irgendwann gänzlich verschwanden.

 

Und dann war es still.

Nur das Wasser. Und vor uns die Felsen, umgeben von Nebel. Manchmal kamen die riesigen Felsen nur weniger als 50 Meter vor uns aus dem Nebel heraus. Ein wenig Fluch der Karibik Feeling. Ok, nicht nur ein wenig, sondern so richtig! Es war einfach nur beeindruckend. Wie riesig die Felsen, wie klein das Boot und wie mickrig wir dagegen waren. Die ganze Atmosphäre war so mystisch, dass man automatisch einfach nur schwieg und genoss. Als würde man durch die Felsen schleichen.

Reisebericht - Kalksteinfelsen in der Halong Bucht

Nach einer vietnamesischen Legende wurde die Halong Bucht übrigens von einem Drachen geformt, der mit seinem Schwanz Vertiefungen in die Erde zog – die sich dann mit dem Meer füllten. Bei dem mystischen Nebel kann man glatt anfangen, die Geschichte zu glauben.

Reisebericht - Eine Bootstour durch Halong Bay in Vietnam

Wir näherten uns einer kleinen schwimmenden Fischfarm. Dort haben wir ein paar Kanus ins Schlepp genommen, während der Kapitän fünf Minuten lang zum Koch wurde und frischen Fisch einkaufte. Wie selbstverständlich das alles war. Fisch in der Halong Bucht von einer schwimmenden Fischfarm zu kaufen.

 

„Packt sie euch hinter den Rücken. So ist‘s bequemer!“,

rief Victory uns 20 Minuten später zu, als er die Schwimmwesten verteilte. „Öhm – okay!“ Und die Schwimmweste wurde zum bequemen Polster im Kanu.

Victory paddelte voraus – wir folgten ihm. „Haha, seht ihr die Touri-Gruppe dahinten? Die fahren zu einer Stelle, wo immer ganz viele Touren hinfahren. Kommt mir hinterher. Wir fahren woanders hin!“. Geil, so wollten wir das!

Reisebericht - Mit dem Kanu durch die Halong Bucht

Er kannte die Halong Bucht in- und auswendig. Jede kleine Höhle und jeden Winkel. Er war hier früher als Fischer unterwegs, bevor der Tourismus die Insel und die Bucht eroberte. Er wusste genau, wann und wo die großen Touriboote Halt machen und geht diesen auf seinen Touren gekonnt aus dem Weg. Außerdem kommt er mit dem kleinen Holzboot auch an Stellen, die die großen Dampfer gar nicht erst anfahren können.

Hier möchten wir auch die negative Seite festhalten: Wo mehr Boote, da mehr Müll. Es ist so schade. Wirklich unfassbar schade. Man blickt nach unten und es schwimmt so viel Plastik, Flaschen und restlicher Müll an der Oberfläche. Es ist ein generelles Problem in Vietnam, dem man mit verschiedensten Projekten versucht Abhilfe zu schaffen. Man versucht bei Einheimischen das Bewusstsein für Umweltschutz zu schärfen und auch Hilfsprojekte werden angeboten. Aber wir finden es wichtig, auch das zu sehen, um das Land unverfälscht und mit seinen schönen als auch nicht so schönen Seiten kennenzulernen. Denn die Seiten hat jedes Land. Aber je mehr man rausfährt, desto weniger wird es. Weniger Menschen eben…

Wir paddelten auf eine kleine Höhle in den Felsen zu –  mit dem Kanu genau durch das Bild, das wir Wochen vorher bei den Google Bildern gesehen hatten und da schon beeindruckt waren!

 

Jeder bekam eine Stirnlampe in die Hand.

Dann ging’s mit dem Kanu hinein in die Höhle. Es war stockfinster und von überall hallte das leise Plätschern der Paddel wider. Die Decke der Höhle war so niedrig, dass manchmal die Paddeln oben an der Decke kratzten.

Reisebericht zur Kanutour durch die Halong Bucht

Das australische Pärchen hatte das noch nicht so ganz raus und fuhr auch manchmal gegen die Wände. Hat schön durch die ganze Höhle gehallt. Herrlich die beiden! Ok, wir sind auch einmal gegen die Wand gefahren – aber nur einmal! Nach zwei, drei Minuten kamen wir dann auf der anderen Seite heraus und …

Reisebericht - Durch die Höhle in der Halong Bucht

…es war der Wahnsinn. Wirklich.

Eine riesige Bucht, in die man nur durch die Höhle kommt. Rings herum waren vom Regenwald bewachsene Kalksteinfelsen, in denen man die Vögel und Affen gehört hat. Die Temperatur und Luftfeuchtigkeit von jetzt auf gleich wie in einem Tropenhaus. Umgeben von der wilden Natur. Man wird still, und das nicht nur, weil man baff ist und genießen will. Sondern auch, weil man Respekt hat. Ganz automatisch. Man blickt nach oben und die Wälder schauen auf einen herab. Es war einfach… Wahnsinn.

Wir blieben in der Bucht ungefähr 30 Minuten – es kam uns vor wie fünf.

Kanutour durch die Halong Bucht

Victory ließ uns die Zeit alleine genießen und suchte im Wasser nach frischen Muscheln für das Essen später. Ohne zu übertreiben waren diese Minuten in dieser abgelegenen Bucht eines der eindrucksvollsten Erlebnisse auf der Vietnamreise. Spätestens da waren wir besonders dankbar mit nur einem anderen Pärchen unterwegs zu sein und nicht mit 30 anderen.

„We go back!“, rief Victory und es hallte durch die gesamte Bucht.

 

Mittagessen war fertig.

Zusammen mit den Australiern und der kleinen Crew saßen wir am Tisch, haben von der bisherigen Tour geschwärmt und den weiteren Ablauf besprochen und geplant.

Danach ging die Fahrt weiter. Wir saßen wieder oben an Deck, bestaunten die Kalksteinfelsen und haben mit den beiden Australiern gequatscht. Sie lebte zurzeit in Hanoi und machte dort ihren Doktortitel. Er ist hinterhergezogen und wird hier … das wusste er auch noch nicht. Aber er kocht wohl gerne und liebt die vietnamesischen Märkte und das Handeln dort. „Warum schreibst du gerade in Vietnam deinen Doktortitel?“, fragten wir. „Wie? Wieso nicht? Ist doch ein wahnsinns Land! In Australien ist das mit der meist verkaufte Reiseführer! Ich habe schon auf vielen Orten der Welt gelebt, aber hier mit am liebsten!“. Es war zu beneiden. Wieder ein Abend, der selbst auf Reisen unser noch größeres Fernweh kitzelte.

 

Strom, Wasser und TV-Antennen – auf dem schwimmenden Dorf.

Wir statteten einem der schwimmenden Dörfer einen Besuch ab. Und ihre Alarmanlagen waren Hunde, die über die Stege hopsten und laut bellten, als wir hindurch fuhren.

Schwimmendes Dorf in der Halong Bucht

Die Menschen scheinen in ihren auf Fässern treibenden Häusern und Fischfarmen alles zu haben, was sie zum leben brauchen. Einige der Dörfer haben sogar eigene Bürgermeister. „Hier – dort hält eine Familie Hummer. Aber sie wissen nicht, wie er schmeckt. Es ist zu wertvoll ihn zu essen. Sie verkaufen sie nur.“, und wir blickten in ein Fangnetz mit Hummern drin. Haben wir selbst auch noch nie gegessen. Ein Junge zog dort gerade einen Hummer heraus. Am Nachbarssteg spielten ältere Leute Karten. Auf dem Steg daneben hing eine Frau Wäsche auf. Das Leben, wie es auch anders geht.

Victory baute noch einen Höhlenbesuch ein, bevor es dunkel wurde und wir die Kanus wieder an Bord brachten.

 

„Mögt ihr’s hier?“

„Gut! Dann ist das unser Schlafplatz heute!“, rief Victory uns von unten hoch und das Boot blieb stehen. Mitten auf dem Meer. Mitten zwischen den Felsen. Geil! Umgeben von den Giganten, auf denen die Tiere abends zum Leben erwacht sind. Zumindest den Geräuschen nach.

Fischer in der Halong Bucht

Wenig später war das Abendessen fertig und wir saßen wieder alle zusammen am Tisch. Jeder sein Reisschälchen vor sich und das Essen in Schalen verteilt, bereit um es mit den Stäbchen zu schnappen. Darunter auch der frische Fisch und die von Victory gesammelten, gekochten Muscheln.

 

Nach dem Essen und 3-4 Bier begann Victory uns von früher zu erzählen.

Wie er aus Vietnam mit der Familie geflohen war, wieder zurückkehrte, als Fischer in der Halong Bucht arbeitete, zum Tourismus wechselte und die Affen jagte. ‚Die Affen? Die Affen, die unser Pfadfinderfreund aus Kalifornien versucht zu schützen?‘ schoss uns sofort in den Kopf.

Und ja: genau die meinte er. „Mein Sohn hatte eine Krankheit und nur das Affenhirn dieser bestimmten Art konnte es heilen! Also habe ich mir die Machete geschnappt. Und habe sie gejagt!“ Noch heute wüsste er, wo sich die Affen verstecken und erklärte uns, wie man sie am besten jagt. Wir mussten schlucken.

Auf der einen Seite erinnert man sich daran, wie der Forscher vom gestrigen Tag alles tut, um diese Affen zu schützen und auf der anderen Seite… hört man einen Vater, der in seinen Augen das Leben des Sohnes gerettet hat, durch das Jagen dieser Tiere. Für sein Kind würde man alles tun, oder? Es war eine merkwürdige Situation. Und wir konnten auch kaum etwas dazu sagen. Außer zu den Australiern: „Ehm.. ihr wisst noch, wie wir euch vom Forscher erzählten? Und von den Affen… ja… das… waren die.“

Wir unterhielten uns noch ein wenig darüber, kamen zum Thema Reisen generell, zum Thema Kulturen, Klischees, witzige Klischees und nach ein paar Bier mehr dann zu allen möglichen lustigen Themen. Ein richitg gemütlicher Abend auf dem Boot und Ausklang des Tages. Dann gings ab ins Bett.

 

Zu Hause blicken wir morgens aus dem Fenster und sehen Häuser.

Am diesem Morgen sahen wir riesige Felsen und befanden uns mitten auf dem Meer.

Zu Hause nehmen wir morgens unsere warme Dusche.
An diesem Morgen war es das abgezählte Wasser auf einem Holzboot.

Nur die gewohnte Tasse Kaffee, die gab es an diesem Morgen auch.
Aber auf einem Boot, das uns durch ein Weltkulturerbe führte.

Der Kaffee an Board war nicht wirklich gut – aber selten hat er so unfassbar gut geschmeckt:
An Deck inmitten eines Naturschauspiels.


Wenn es dich interessiert, findest du hier noch die Links zur Homepage von Cat Ba Ventures und zu den Bewertungen auf Trip Advisor.


Warst du schon mal in der Halong Bucht unterwegs oder hast du’s noch auf deiner Bucketlist? Wie hast du es erlebt? Sind gespannt auf dein Abenteuer!


Mekong Delta Tour in Vietnam - Reisebericht Vietnam Kulturschock

6 thoughts on “Vietnam • Halong Bucht – 2 Tage, 1 Holzboot und die Sache mit den Affen

  • 10/05/2015 um 21:31
    Permalink

    Servus Ania und Daniel,
    wow besonders der Einblick ins Fischerdorf gefällt mir. Eigentlich schon sehr krass, dass die die Hummer noch nicht mal selbst probiert haben..
    Ich war auch in der Ecke. Allerdings nur in der Bai tu long Bucht. Die Ha long war mir gleich zu touristisch.
    Nach eurem Bericht habt ihr dies jedoch recht gut gemeistert. Es gibt also noch Schlupflöcher:D

    Kilian

    Antworten
    • 11/05/2015 um 18:08
      Permalink

      Servus Kilian! ;)
      Ja, wir hatten da wohl echt Glück mit der Truppe und der Tour generell! Es war einfach hammer und wir lieben es, uns dran zurückzuerinnern!

      Bai Tu Long Bucht haben wir in unsere Liste mit aufgenommen nach deinem Kommentar! Danke für den Tipp! :)

      Liebe Grüße bzw. Grützeli (oder so?! :D )
      Ania :)

      Antworten
  • 12/11/2015 um 0:43
    Permalink

    Hallo Ania und Daniel,

    gut zu lesen, dass ich nicht der Einzige bin, der von Cat Ba Ventures so begeistert ist.

    Aber ich muss schon sagen, die Tour hat sich wohl ganz schön verändert: Bei mir war Ende 2011 nichts mit Kanufahren oder so – wir waren schon froh, dass wir auch noch nach „Monkey Island“ durften ;-)

    Und unser Boot war damals außerdem ne Nummer kleiner, wenn ich mir so Eure Fotos ansehe. Cat Ba Ventures ist wohl inzwischen zum Big Business geworden ;) Trotzdem toll, dass die kleinen Gruppen beibehalten wurden. Wir waren ebenfalls nur sechs oder sieben Leute.

    Was mich interessieren würde: Wie viel habt ihr denn für die Tour bezahlt?

    Viele Grüße und viel Spaß ab Ende Januar,

    David

    Antworten
    • 14/11/2015 um 23:02
      Permalink

      Hi David!
      Zu Recht sind sie zu einem „kleinen Big Business“ geworden :)
      Waren echt super zufrieden und die Tatsache, dass wir insgesamt nur zu viert auf dem Boot waren, hat die Begeisterung komplettiert!
      Wir haben pro Person ca. 120$ gezahlt, wenn wir es richtig in Erinnerung haben… für eine Übernachtung, also zwei Tage inkl. Essen etc.

      Viele Grüße und: Danke!! Den Spaß werden wir haben! ;)

      Daniel

      Antworten
    • 27/12/2015 um 17:00
      Permalink

      Kann man nur zufrieden mit sein, oder? :)

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *