5 Dinge die wir auf Reisen verlernen wollen

Reisen verändert, heißt es ja immer. Man lernt viel dazu, man lernt Menschen kennen, sich selbst, Erlebnisse, die einen prägen. Und verflucht, wir haben so Bock drauf! Allein das Wissen, DASS es so sein wird, man aber KEINEN Schimmer hat, wie es sein wird…! Reisen bereichert – das steht für uns zumindest außer Frage!

Aber ganz ehrlich? Bei so ein paar Sachen wär’s schon cool, wenn sie uns das Reisen abgewöhnen könnte. Wenn wir quasi bei einigen Dingen lernen… sie zu verlernen.
Zum Beispiel so Sätze wie:

 

1. „Scheiße – nix geschafft heute!“ (Ania)

Ich LIEBE To Do Listen. Ich erscheine eigentlich wie ein Chaot und bisschen verpeilt (hier höre ich gerade die Freunde denken: „BISSCHEN???“), aber die Wahrheit ist: Ich kann keinen Tag ohne To Do Listen verbringen! Ich schreibe sogar auf die To Do Liste, dass ich eine To Do Liste machen will. Und irgendwann in der Woche merke ich, dass ich so viele To Do Listen habe, dass sie ja gar nicht mehr übersichtlich sind – und mache neue.

Problem dabei: Ich hasse es, Dinge zu tun, die man mir SAGT, dass ich sie tun soll. Das ist ein Teufelskreis, weil ich mir durch meine To Do Listen ja quasi selbst sage was ich tun soll. Umkehrschluss: Ich hab da keine Lust drauf. Einfach, weil ich muss. Aber ohne To Do Liste kann ich auch nicht. Poah klingt das bekloppt.

Egal, so isses und daher ist das etwas, das ich verlernen möchte.

Ich glaube, Arbeit und der Alltag lehren einen unbewusst: Du musst produktiv sein.
Du hast 8 Stunden auf der Arbeit so produktiv wie möglich zu sein.
Du hast noch weniger Stunden private Zeit, in der du auch viel schaffen willst (was dir eigentlich sogar mehr am Herzen liegt).
Also strukturiere dich, nutze die Zeit effektiv und effizient!
Das lernt man. Und verinnerlicht man.

Das Schlimmste dabei ist dann eigentlich das schlechte Gewissen, wenn man mal einen Tag einfach nur draußen war und… gelesen hat. Und Zeit für sich genutzt hat. „Scheiße, nix geschafft heute.“

Ich will nicht immer denken, dass man jede Sekunde nutzen muss. Jede freie Minute etwas erledigen muss, weil es sonst kein produktiver Tag war. Ich glaube durch langsames Reisen in Kulturen, in denen genau so ein Denken nicht herrscht, lernt man… dies zu verlernen.

Oh man, das wäre so eine Erleichterung für mein Hirn! Und für meine Hand. Denn die To Do Listen mache ich alle handschriftlich.

 

2. „Das kann man doch bestimmt mal/noch gebrauchen!“ (Daniel)

Weniger ist manchmal mehr. Irgendwie ist an dem Satz ja doch was dran. Ich war nie jemand, der sich jeden Mist kaufen musste oder unnötig viel Geld für SchnickSchnack ausgegeben hat.

Aber… über die Jahre sammelt sich ja doch jede Menge Zeugs an. Manches hat man oft gebraucht, nutzt es aber heute nicht mehr. Vieles funktioniert nicht mehr, aber es hängen noch Erinnerungen dran. Und der Rest sind Dinge, die man mal gekauft, aber dann doch nie benutzt oder getragen hat. Und das Beste: Genau für sowas gibt’s sogar Räume, die eigentlich nur zum ansammeln dieser Dinge geschaffen werden. Keller und Dachböden. Super.

Besonders vor der Weltreise, wo ich anfange meine Sachen zu sortieren und auszumisten, kommt mir oft der Gedanke, Dinge in Zukunft bewusster zu kaufen und direkt auszumisten, wenn ich sie nicht mehr brauche. (Vor allem minimiert sich dann der Ordnungs-Aufwand…). Klar, leichter gesagt als getan.

Aber ich glaube, speziell das Langzeitreisen mit nichts außer einem Rucksack und dem Nötigsten kann einem so eine Einstellung vermitteln und zeigen „Weniger ist mehr. Wirklich“. Und verlernen lassen zu sagen „Das kann man doch bestimmt irgendwann mal gebrauchen!“.

Ich denke zwar jetzt nicht, dass ich ein Minimalist werde, auch wenn ich den Ansatz echt spannend finde. Dass ich mit weniger auskommen kann, weiß ich ja. Und die Weltreise wird es mir beweisen.

 

3. „Na toll. Jetzt will ich das, was du hast“ (Ania)

Ja, dieser alte Satz: Man will immer das, was man grad nicht hat. Und es stimmt und ich hasse es. Irgendwie ist immer alles cooler, was man gerade nicht hat. Das ist einfach so, kann mir keiner was anderes erzählen! Sei es eine Unterkunft („Kacke, was wenn es eine gegeben hätte, günstiger und vielleicht mit besserer Lage?!“) oder einfach beim Imbiss Essen holen („Na toll. Jetzt will ich das, was du hast.“).

Klar, ist jetzt nicht bei jeder Situation aber schon bei so ein paar.
…ein paar vielen.

Ich will, dass ich auf Reisen lerne einfach gerade zu lieben, was ich gerade tue und habe. Einfach genau das komplett wertzuschätzen und (jetzt wird’s romantisch:) „den Moment leben“. Wegzublicken von dem, was sein könnte.

Denn solche Gedanken können verflucht nervenraubend sein. Überleg mal, dann sind wir auf Weltreise und ich bekomme solche Gedanken wie: „Oder wäre es woanders gerade besser?!“.

 

4. „Das muss ich auch irgendwann mal machen!“ (Daniel)

Den Satz kennt bestimmt jeder: „Boahhh XY ist schon richtig cool! Das muss ich auch irgendwann mal machen!“ Dieses „irgendwann“ nutzt man aber nicht nur heute, sondern auch morgen und in den nächsten 50 Jahren.

Denn eigentlich ist es doch nur ein Synonym für „Ist mir grad zu aufwendig“, „Ich kann das bestimmt eh nicht“, oder, auch sehr beliebt: „Ich habe ja noch genug Zeit dafür!“, und und und.

Klar, für manche Dinge lohnt es sich, sie auf die Bucket List zu schreiben. Der organisatorische Aufwand für spontane Größte-Höhle-der-Welt-Expeditionen kann dann doch etwas zu groß sein. Aber es geht auch eher um die kleinen Dinge.

Ich kann mir stundenlang Youtube-Videos auf Kanälen von Devinsupertramp oder GoPro anschauen. Von genialsten Naturaufnahmen, Surfen oder Longboarden und denken „irgendwann muss ich das auch mal lernen!“ Ich kann tausend mal an kleinen coolen Bars oder Cafes in der Nähe vorbeilaufen mit den Gedanken „Ah, da muss ich mit Ania auch mal irgendwann hin!“ und bin sogar stolzer Besitzer eines Reiseführers „von Düsseldorf für Düsseldorfer“. Noch nie genutzt. Man erwischt sich immer wieder, dieses „Irgendwann“ in den Mund zu nehmen, oder?

Darum: Das Wort „Irgendwann“ will ich schlicht und einfach verlernen! Stattdessen einfach mal machen. Die Weltreise ist da ein guter Anfang… ;)

 

5. „Typisch Deutschland. Man.“ (Ania & Daniel)

Pünktlichkeit, Schlangestehen, trilliarden Verkehrsschilder, immer ein Gesetz parat und stets ein Sicherheitsdenken. Das trifft das Klischee Deutschland doch eigentlich ganz gut, oder?

Wenn man morgens pünktlich um 9 Uhr (keine zwei Minuten später) einen Strafzettel auf der Windschutzscheibe hat, weil man beim Bäcker einfach in der Schlange stand, seit wenigen Minuten also gegen die Straßenverkehrsordnung verstößt und damit eine Gefahr der allgemeinen Sicherheit darstellt… – beginnt man diese Tugenden zu verfluchen.

Aber… wir wollen genau dieses Verfluchen verlernen. Und darüber lächeln können. Mit einer Art Heimatgefühl. Und diese Tugenden vermissen und uns immer wieder auf Deutschland und seine Macken, seine Korrektheit und Pünktlichkeit und Regelungen freuen. Und ein Stück weit stolz drauf sein.

Wir werden sicher durch Länder, Regionen und Orte reisen, wo wir an Hilfsprojekten teilhaben möchten, die uns bewusst machen werden, was es heißt am Limit zu leben. Unter schwierigen Bedingungen zu leben. Und wie lächerlich werden einem dann erst solche Situationen vorkommen… einen Strafzettel am Auto kleben zu haben. Oder Behördengänge. Oder Blitzermarathon. Als Beispiel.

Es gibt selten richtigen Grund zum Aufregen. Man macht es dennoch.

Aber… wir haben es gut hier. Das macht man sich viel zu selten bewusst – und das wollen wir ändern.

PS von Ania:
Aber… das Lieblingscafe sollte im Sommer schon einfach so einen Tisch und Stuhl rausstellen dürfen – ohne Erlaubnis! Das wäre schon schön!

 

Gibt es Dinge, die du auch verlernen möchtest? Bestimmt, hat jeder! Also schieß los und schreib es in die Kommentare! Sind gespannt!


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4 thoughts on “5 Dinge, die wir auf Reisen verlernen wollen

  • 18/05/2015 um 12:57
    Permalink

    Hello,
    Ich bin zufällig auf euren Blog gestoßen – schöner Name. Geh mal Reisen! Man fühlt sich angesprochen!

    Der letzte Punkt eurer Liste ist meiner Meinung nach ein ganz großer und wichtiger! Vielleicht hätte er sogar die Chance unter den TOP 3 zu sein? :)
    Nach meiner langen Reise ist mir das das erste Mal auch wirklich häufig aufgefallen, wegen welchen Kleinigkeiten man sich hier eigentlich aufreget. Gerade anfangs habe ich das dann oft belächelt aber manchmal finde ich mich schon wieder in dieser Mentalität wieder (leider)! Bin einfach schon wieder zu lange hier :)
    LG Sabrina

    Antworten
    • 18/05/2015 um 17:06
      Permalink

      Hey Sabrina!
      Danke für deinen lieben Kommentar! Genau das war unsere Absicht bei dem Namen! Schön, dass es funktioniert! :D

      Oh, das hätten wir dazu schreiben sollen: Die Nummern stehen nicht für eine Rangliste – denn da wäre dieser Punkt DEFINITIV hoch oben!

      Man stört sich echt zu oft hier an Kleinigkeiten… ein Kommentare auf unserer Facebook-Seite zu dem Artikel hat es schön auf den Punkt gebracht: „Sich durch das Leben (fußballspielende Kinder, tanzende Nachbarn, heckenschneidende Gärtner etc.) gestört zu fühlen, weil man selbst zu gestresst ist…“ Fanden wir eine schöne Ergänzung :)

      Na, dann solltest du mal fix deine nächste Reise planen! Vielleicht ja Vietnam? Thailand, Australien, etc. hast du deinem Blog zufolge ja bereits durch ;)

      Liebe Grüße!
      Ania

      PS: A bag full of sun… das reißt so schon mit in die Reiselaune!!

      Antworten
  • 16/07/2015 um 21:41
    Permalink

    Ach du Schieße, ich erkenne mich wieder!
    Unterm Strich sollte man wohl sagen „weniger ist mehr“.
    Weniger Zeug, weniger Struktur, weniger Regeln… mehr Leben.

    Wenn das nur immer so einfach wäre! ☺
    Liebe Grüße,
    Marc

    Antworten
    • 16/07/2015 um 21:50
      Permalink

      Hi Marc!
      Erst mal: Ich bin beruhigt, dass noch jemand so tickt! :D High-Five!

      Und deine Zusammenfassung bringt es gut auf den Punkt!
      Auch der Nachsatz: „Wenn das nur immer so einfach wäre“ … aber hey: nur langsam macht es Spaß sich selbst beim Verändern und „Verbessern“ zu sehen :)

      Übrigens: Was ein geniales Foto!! :D
      Sehr sympathisch! :)

      Liebe Grüße!
      Ania

      Antworten

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