Alltag vs. Traum - 5 Erkenntnisse zu Motivation

Ich weiß weder welches Jahr es war, noch ob es ein Sommer- oder ein Weihnachtsfest der Agentur war, aber ich weiß, ich saß auf einem braunen Sofa in einem Raum, in dem normalerweise unsere Meetings stattfanden. Ich schaute durch den Raum, jeder unterhielt sich, hatte gute Laune und bewegte sich zur Musik. Mein Blick schweifte zur Seite. Neben mir ein neues Gesicht.

‚Ah richtig, der neue Texter.‘ Texter fand ich immer cool, die hatten meist gute Sprüche drauf. Also kamen wir ins Gespräch. Über dies und jenes und wie lange arbeitest du schon hier und du und wo warst du vorher und so weiter. Ich weiß nicht mehr, wie wir dazu kamen, aber dann sprachen wir über Musik und Michael Jackson. „Michael Jackson – ist der – BESTE!!“, sagte er gestikulierend aus vollster Überzeugung und mit leuchtenden Augen. Gesprächsthema des Abends war gefunden! Musik!

Es sollte sich herausstellen, dass er für Musik brennt und lebt und es quasi sein zweiter Vorname ist. „Ich lege manchmal bei Freunden auf Partys auf. Aber halt nur nebenbei… ist mein Hobby.“, erzählte er. Ganz bescheiden.
Aber mit einem breiten Grinsen.

Als er das sagte, hatte er noch keine Ahnung, dass er 8 Jahre später knapp einem BurnOut entkommt und vor einer Berufsberaterin stehen würde, die ihn fragt: „Sag mir ohne nachzudenken: Was willst du werden?“ und „DJ!“ aus ihm herausplatzt. „Dann wirst du jetzt DJ.“, sagte sie.

Kurz danach las ich 2011 einen FacebookPost von ihm:
„Got a new DJ Name: Mr. Nice Guy.“ und er bat um teilen, um liken, um Unterstützung.

Heute lese ich auch noch FacebookPosts von ihm. Die gehen dann aber eher so:
„Neuer Mix ist online!“ oder „Interview mit XY-Zeitung gehabt – morgen zu lesen!“ oder „Diese Woche spiele ich in Berlin und danach geht’s nach Serbien! Und beim Summer Festival leg ich auch auf!“, hat viele Preise gewonnen und blickt auf einen vollen Terminkalender durch ganz Deutschland.

„Hätte mir jemand das alles zu meiner Höllen-Phase prophezeit, hätte ich ihm wohl den Vogel gezeigt.“, schreibt er auf seiner Website.

 

Selbstmotivation.

Das Stichwort.
Die Welt wäre so viel besser, wenn Menschen, die brilliante Ideen haben, sie umsetzen würden und nicht vergraben.
Wenn Leute mit großen Träumen sie anpacken und nicht das Versäumnis später bereuen.
Wenn Leidenschaften ausgelebt würden, nicht nur den Stempel Hobby bekämen.

Da setzt man sich etwas in den Kopf oder hat einen Einfall. Alles geht in einem auf „Das ist es!!“. Eine kleine Konditorei eröffnen? DJ werden? Job kündigen und die Welt bereisen? Egal was. Meist scheitert es, weil die Motivation stolpert. Obwohl sie gerade dann da aufrecht stehen sollte. Oft muss erst eine Katastrophe, ein BurnOut, ein Ausnahmezustand her, dass man erkennt: „Ich muss es anpacken!“.

Als wir mit unserer Idee der Weltreise rausrückten, haben viele Freunde mit uns gesprochen, die sagten, dass sie es absolut genial finden und selbst auch solche oder ähnliche Träume haben. Dass sie den Mut bewundern so etwas durchzuziehen. Warum es aus unserer Sicht sehr wenig mit Mut zu tun hat, hatten wir ja bereits erklärt.

Was wir aber selbst gemerkt haben: Es kommt auf eine ganz andere wichtige Sache an.

 

Diese eine, kleine Sekunde.

Bei uns war es die Sekunde, in der der Gedanke der Weltreise gepflanzt wurde. BADABOOM! Motivation auf trilliardischsten Dimensionen, Enthusiasmus weiß gar nicht wohin mit sich und innerliches Feuerwerk vollster Vollfreude! Diese Sekunde war so was wie ein kleiner Durchbruch für uns. Der „Wir machen ernst!“-Durchbruch. Und das Gefühl: „Das ist es, was wir wollen.“. Dann sackt das Ganze.

Und einem wird klar „Ok, krass. Wir machen das jetzt echt, oder?“

 

Ab da hat der Kopf Zeit.

Verdammt. Viel. Zeit.

Zeit, zum zweifeln, Zeit zum rattern, zu hinterfragen, einfach viel zu viel Zeit für alles, was theoretisch dagegen spricht und sprechen könnte, bevor man sich endgültig dafür entscheidet. Zeit, um mit Leuten darüber zu sprechen, die mit noch mehr Ideen kommen, warum es vielleicht doch keine gute Idee sein könnte. „Ja aber das Geld! Und das ist doch voll gefährlich. Und Job? Unsicher, findet ihr nicht?“ Und Menschen können kreativ sein.

Das gilt bei egal welchen Vorhaben. Deswegen handeln viele anscheinend erst, wenn es zu spät ist. Wenn ein BurnOut da ist oder eine andere Katastrophe eingetreten ist, die einen zum Handeln zwingt. Denn dann ist keine Zeit zum Nachdenken.

Bevor es soweit kommt, gilt daher jeden Tag eine wichtige Regel, um sich selbst auf Kurs zu halten:

 

Halte diese eine Sekunde lebendig.

Das ist so verflucht wichtig. Denn man hat einen Alltag, an den man sich gewöhnt hat. Eine Routine, ein Leben, das man sich erarbeitet und aufgebaut hat und alles um einen herum ist seine Komfortzone. Egal, wie bedeutend und intensiv diese Sekunde war, gerade am Anfang ist es schwer, sie jeden Tag so lebendig wie in diesem Moment zu halten. Denn je tiefer man sich zurück in den Alltag gräbt, desto mehr entfernt man sich von ihr. Weil man einfach zu sehr beschäftigt ist das Leben zu leben, das man im Moment hat. Und die Sekunde ist wie ein Bestandteil eines Liedes, das wie eine Hintergrundmusik läuft. Meist mit dem Refrain „irgendwann.“

Es gilt dafür zu sorgen, dass die Sekunde genau diesem gewohnten Alltag standhalten kann.

 

Nein, das hier wird kein Patentrezept.

Wir sind nicht schon in der Welt unterwegs und alles ist gut gegangen und reden rückblickend davon, wie easy alles war und dass der Plan aufgegangen ist wie geplant, nein, sogar noch besser, als je erhofft und sagen dir jetzt, wie du es auch tun solltest. Klar, wären jetzt selbst lieber irgendwo in Mexiko unterwegs und würden diesen Post hier bei klarem Sonnenuntergang schreiben. Stattdessen sitzen wir gerade in Düsseldorf, es ist absolut mieses Wetter, wir gucken gegen eine Hauswand und für morgen sind Überstunden auf der Arbeit bereits angekündigt, die GEZ hat wieder von sich hören lassen und die Masterarbeit muss geschrieben werden. Immerhin haben wir schon gespült.

Es gibt viel zu tun und uns war schnell klar: Wir müssen zusehen, dass wir das gewohnte Leben nicht dominieren lassen. Wir müssen uns die Sekunde zurückholen. Jeden Tag. Was wir dabei für uns gelernt haben:

 

Erkenntnis 1:  Im Grunde spricht alles gegen alles.

Immer.

Bei uns ist es ja so, dass wir nicht 1 Jahr eine Weltreise machen und dann wieder der Alltag auf uns wartet. Und ein Job. Wir gehen auf Reisen. Punkt. Wir haben keine Ahnung wie lange. Wir haben keine Ahnung was danach sein wird. Und so soll es auch gerade sein und bleiben. Genauso wollen wir es. Wir wollen raus und sehen, was möglich ist.

Dass es für unsere Eltern keine Beruhigung ist, ist uns mehr als klar und wir lieben sie umso mehr dafür, dass sie uns vertrauen und sagen „Ihr kriegt das hin. Ihr werdet das Richtige machen.“ Auch wenn wir wissen, dass währenddessen ihre Köpfe schreien: „OH GOTT HOFFENTLICH KLAPPT DAS!!“

Aber man erwischt sich selbst natürlich auch in unsicheren Momenten. Was wir für uns gelernt haben: Es gibt immer irgendwas, das gegen irgendwas spricht, wenn man nur lange genug nachdenkt. Wer sucht, der findet.

Darum sollte man zusehen, dass man mit diesen Zweifeln nicht zu viel Zeit verschwendet. Hätte, könnte, würde, und so weiter. Die Fragen und Zweifel kommen. Entweder von anderen oder von einem selbst. Es wird nie diesen Zeitpunkt geben, an dem es sie nicht geben wird. Darum braucht man gar nicht erst auf so einen Zeitpunkt zu warten.

Er kommt nicht. Man kann sich nur einen einzigen Zeitpunkt holen: Den, in dem es keine Zweifel mehr gibt. Weil man macht.

 

Erkenntnis 2: Wenn man nichts macht, macht man nichts.

Yep. Ganz einfach Rechnung. Man hat 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag, in denen man viele kleine Schritte machen kann, die einen näher zum Ziel bringen – oder keinen einzigen. Und jetzt festhalten: Es ist schlicht und einfach eine Entscheidungssache. Quasi deine Entscheidung, ob du dich wieder vor deinen TV hinhaust oder etwas tust, um dich näher dorthin zu bringen, wo du hin willst.

Anfangs wussten wir, wir müssen uns jeden Tag eine Kleinigkeit vornehmen, um uns das Ganze lebendig zu halten. Die ersten Vorbereitungen treffen, Infos zu den Ländern sammeln, die man sehen will, informieren darüber, was die ersten Schritte zur Umsetzung sind. Und machen. Machen machen machen. Dadurch schafft es die Sekunde den Alltag durchzubrechen. Und damit fahren wir ganz gut bisher.

Nur nicht nach dem Training. Da schaffen wir das noch nicht ganz uns aufzuraffen („Oh Gott mir tut alles weh. Ich bin müde. Ich muss liegen.“). Aber wir arbeiten dran. Aber das gibt eh nix. Wissen wir jetzt schon…

 

Erkenntnis 3: Es gibt Leute, die genauso ticken.

Es gibt Leute um einen herum, die die Freude nicht ganz teilen können oder einen schlicht und einfach nicht verstehen können, warum man dies oder jenes verfolgt. Klar verpasst einem das erst einmal einen ordentlichen Dämpfer, aber: Menschen sind verschieden. Es hat etwas gedauert, aber wir wissen solche Sätze aufzunehmen, und in den „Meinungen von Menschen, die eben anders ticken“-Kasten zu sortieren. Auch wenn es manchmal schwerfällt.

Aber: Es gibt auch Leute, die ticken wie man selbst. Die den gleichen Traum teilen oder einfach die gleiche Einstellung. Es ist verflucht viel wert, sich viel mit diesen Menschen auszutauschen! So ein Austausch motiviert und pusht immer wieder von neuem! Das haben wir mächtig unterschätzt.

Wir stehen viel in Kontakt mit anderen Reisenden, die bereits auf einer Weltreise sind oder es noch vorhaben. Die kannten wir vorher gar nicht. Wir haben sie einfach angeschrieben. Und ohne Scheiß: Wie greifbar das Ganze dadurch geworden ist, vor allem ganz am Anfang unserer Entscheidung, ist unbezahlbar. Morgens erhält man dann Mails von einer, die gerade in Canada unterwegs ist, später von anderen Bloggern aus Laos und zwischendurch tauscht man sich noch in FacebookGruppen mit Leuten aus, die seit zig Jahren nichts anderes machen, außer in der Welt unterwegs zu sein.

Es ist so wichtig für uns. Wenn die wüssten. Denn dadurch erscheint es gar nicht wie eine „Oh man seid ihr bescheuert“-Idee. Sondern wie eine „Ah, haben schon voll viele andere so gemacht!“-Idee. (Ok, eigentlich war es ein „Oh. Haben schon voll viele gemacht. Hm.“, wo man doch gerade denkt, dass man hier die Weltidee hatte und es eine Entscheidung für’s Leben sein wird, haha!).

 

Erkenntnis 4: Der Satz „An sich ist alles doch ganz okay“ muss auf die Blacklist

Ooohohohohoooo GANZ beliebter, aber böser Satz. Haben wir auch oft gehört und im Kopf gehabt. Denn keiner von uns steckt in miesen Umständen. Kein blöder Chef, keine haufenweise Überstunden, kein BurnOut, kein nix. Alles top.

Da hat man gerade so einen gemütlichen Abend mit der Familie. Und der Abend in der Kneipe mit den Freunden war doch auch so cool gerade. Und irgendwie ist doch alles ok so, wie es ist. Und der Job… an sich ist der ja auch ok!

Hier gilt es sich eins vor Augen zu halten: Man hat keinen Vergleich. Eine veränderte Zukunft hat gar keine Chance da aufzutrumpfen. Wir können gar nicht wissen, wie viel besser wir uns fühlen könnten, und wie viel zufriedener und glücklicher wir sein könnten, wenn wir es erst mal gewagt haben.

Es fehlt der Vergleich. Und das verleitet dazu gerade alles doch ganz cool so zu finden, wie es ist. Hallo Komfortzone. Sobald man solche Gedanken bekommt, muss man sich im Grunde immer wieder sagen: „Ja, es ist okay – aber was, wenn es grandios werden kann? Und uns erst mal so richtig aufleben lässt?“

 

Erkenntnis 5: Man kennt sich selbst. Den Vorteil sollte man nutzen.

Gut, keine überraschende Erkenntnis, aber eine, mit der man viel zu selten arbeitet.

Man muss etwas finden, das einen trifft. Und zwar mittendrin. Emotional gesehen jetzt. Bei uns ist es bekannterweise Musik. Und wir haben bestimmte Lieder, die uns schon beim Anspielen wortwörtlich Gänsehaut verschaffen und den Gedanken: „LASS UNS LOS!“.

Im Wohnzimmer haben wir ein großes Bild hängen. Von einem Moment einer Reise, in der wir mit zum ersten Mal von einer Weltreise gesprochen hatten. Es ist unser Lieblingsmotiv. Wir haben es vergrößern lassen mit einem Spruch drauf. Eigentlich nur aus einem Grund: Wenn uns der Alltag eingeholt hat und immer noch einholt, reicht es, sich das Bild einmal genauer anzusehen, weil es uns sagt: „Erinnert euch einfach dran, worüber ihr hier gesprochen habt. Und wie ihr euch in dem Moment gefühlt habt.“ Und der Drang ist wieder voll da. Und wie aus dem Nichts sind jegliche Fragen weggewischt. Durch ein einfaches Bild.

Genauso die Weltkarte.  Die haben wir hier groß auf einer anderen Wohnzimmerwand.
Wenn ich vom Laptop hochblicke erstreckt sie sich vor mir.
Wie eine stille Einladung.

Daniel sieht gerade, wie ich die Karte anschaue. Und grinst.
Und da ist sie wieder.
Diese eine Sekunde…


Wodurch wird bei dir die Sekunde entfacht? Und wofür? Schreib uns in die Kommentare, wie du damit umgehst und was deine Pläne sind!


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2 thoughts on “Alltag vs. Traum – Motivation und unsere 5 Erkenntnisse

  • 11/01/2018 um 23:00
    Permalink

    Nun muss ich hier mal kommentieren, denn irgendwie trifft der Beitrag den Nagel bei mir gerade nochmal auf den Kopf. Aktuell seid ihr zwei Jahre weiter, als bei diesem Post und ich stehe am Anfang vom Planen und machen, machen, machen und das neben dem Job und dem Alltag. Das heißt, sich immer wieder von neuem zu motivieren, die Zweifel mal beiseite schieben und an den Zielen arbeiten und dann an dem Weg dahin. Gut wissen, dass es euch anfangs auch so ging. 😉

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    • 12/01/2018 um 14:37
      Permalink

      Hey Sindy!
      Au ja – ich glaube, anfangs geht es jedem gleich… da bleibt nur das Dranbleiben, das nicht Loslassen. :) 2 Jahre später wissen wir, dass es sich mehr als lohnt! ;)

      Antworten

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