Marokko - erster Eindruck

Wie hatten wir uns Marokko vorgestellt?

Ganz ehrlich? Eigentlich keine Ahnung.

Vielleicht mit ordentlich 1001-Nacht-Feeling. Orient-Erlebnis. Viel Tee, arabischer Musik, eben sowas.

Ja, ich weiß, im Grunde richtig schön klischeehafte Bilder, die in unseren Kopf kamen, als wir an Marokko dachten. Aber man bastelt sich seine Vorstellungen ja irgendwo aus Erzählungen und Filmen zusammen, bevor man selbst hinreist. Ob man will oder nicht.

Dann noch das Thema Religion: Mehr als 98% der Bevölkerung gehören dem Islam an. Der König Marokkos, Mohammed VI., gilt sogar als der Nachkomme des Propheten Mohammed. Wie wir uns umgeben von der Religion fühlen und wie viel wir darüber lernen würden – wir waren gespannt.

Ah, und wir dachten natürlich an die Erzählungen und Umschreibungen von anderen, zum Beispiel über Marrakesch: Den bekannten Platz mit den Schlangenbeschwörern, Händlern und Gauklern, die versuchen den Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen/klauen. In jeder Situation.

Immer handeln soll man! Den wenigsten vertrauen! Und überhaupt auf seine Sachen aufpassen!

So grob kann man zusammenfassen, mit welchem „Wissen“ wir nach Marokko reisten.

Und wie so oft freuten wir uns bei der Einreise am meisten auf eines: All diese Gedanken und Erzählungen beiseite zu schieben und ein unbeschriebenes Blatt vor uns zu legen. Imaginär die Stifte spitzen.

Überschrift:

 

Unser erstes Mal in Marokko.

Auf der Weltreise ist eine Frage unbewusst zur Gewohnheit geworden, wenn wir in ein neues Land reisten: „Und, Bauchgefühl?“

Das Bauchgefühl ist etwas Wunderbares. Du brauchst in den ersten Sekunden nicht wirklich Gründe, Bestätigungen, Vorfälle, um sagen zu können: „Ich fühle mich wohl“ oder „Ich fühle mich unwohl.“ Manchmal ist es einfach da. Und meist kann und sollte man darauf vertrauen.

 

Wir landeten in der Stadt Nador.

Nador Flughafen

Die Stadt Nador liegt im Norden Marokkos. Da es dort nicht besonders viel zu sehen gibt und demnach auch die wenigen Unterkünfte vor Ort spontan das Budget sprengten, stiegen wir direkt in den Zug und fuhren 5 Stunden weiter. Und zwar in die Stadt Fès.

Bahnhof in Nador

Unser Bauchgefühl bis hierher? Wohlig.

Und zwar von Anfang an. Wir fühlten uns einfach wohl. Erst einmal ohne Grund. Schon mal nicht schlecht. Und dann trafen wir noch auf eine Menge offener und hilfsbereiter Marokkaner, die uns während der Taxifahrt ihr zu Hause zeigten, den Ticketautomaten erklärten, uns Platz neben sich im Zug machten, uns neugierig musterten und schüchtern lächelten, als wir sie grüßten oder bei der Navigation zum Hostel halfen.

Und nein, sie verlangten kein Geld danach. Sie wollten einfach helfen und winkten uns zum Abschied mit einem herzlichen Lächeln.

 

Sprachbarriere? Nicht wirklich.

Mit der Sprache lief eigentlich alles glatt. Landessprache ist natürlich Arabisch. Dass wir die Sprache nicht sprechen, steht uns im ersten Moment quasi auf der Stirn geschrieben. Daher wurde immer direkt versucht mit uns in der Zweitsprache des Landes zu sprechen: Französisch, wie wir schnell feststellten.

Meine Französischkenntnisse beschränken sich zwar auf „Quoi?“ und „Je ne sais pas!“, womit ich grandios endlose Gespräche führen kann, die nur leider ins Nichts führen. Aber Ania glänzte hier seit der ersten Minute mit ihrem Schulfranzösisch. Ja, sie wird jetzt zwar wieder sagen: „Ach, ich kann gar nix mehr!“ (Anmerkung von Ania: Stimmt auch?!?). Dafür versteht sie bisher aber so gut wie alles. Auch schon mal viel wert.

Französisch ist in Marokko übrigens die zweite Amtssprache sodass auch Zeitungen und Schilder meist neben Arabisch auch in Französisch gedruckt sind. Ansonsten haben viele der Einheimischen auch noch Spanischkenntnisse und mit Englisch kommt man auch meist weiter.

Schilder in zweiter Amtssprache: Französisch

Unterhaltungen sind bisher also oft ein lustiger Mix aus Anias Schul-Französisch, unseren Brocken Spanisch aus dem Südamerika-Trip und unseren Englischkenntnissen. Unterstützt natürlich durch Hände und Füße. Perfekte (und vor allem unterhaltsame) Kombi.

 

Kulturschock? Noch nicht.

Vielleicht ist das aber auch unserer Weltreise geschuldet und unserer Neugier auf alles Neue und Andere. Sobald etwas neu ist, wirkt es auf uns nicht befremdlich, sondern eben… neu. Anders. Wunderbar, denn genau danach suchen wir ja auf Reisen!

Natürlich herrscht hier in Marokko wieder eine gänzlich andere Kultur, als wir sie in Südostasien oder in Südamerika kennengelernt haben. Und im Vorfeld haben wir uns natürlich auch Gedanken darüber gemacht, wie man als Tourist in einem so religiös geprägten Land wahrgenommen wird. Die Antwort: Bisher nicht anders, als in jedem anderen Land.

Moschee in Fes in Marokko

 

Und als Frau, Ania?

Daniel kann da jetzt natürlich nicht viel zu sagen, daher tippe ich hier zum Thema „Als Frau in Marokko“ einige Zeilen. Mit dem Zusatz: „Als Frau mit Mann an der Seite in Marokko“. Ich denke, es ist noch einmal etwas anderes, wenn man allein als Frau reist, als mit einem männlichen Begleiter.

Ich hatte mir vorher Gedanken zur Kleidung gemacht und ob mich ein merkwürdiges Gefühl beschleichen wird, dass ich zum Beispiel ohne Kopftuch durch die Straßen ziehe. Weiß man ja vorher nicht. Ich hatte mich auf alles eingestellt und so achtete ich besonders in den ersten Stunden darauf.

Als erstes fiel mir auf: Einige Frauen waren mit Kopftuch bekleidet, viele aber auch nicht. Einige sahen „typisch“ religiös aus, andere hätten jetzt auch aus Europa kommen können.

Also fühlte ich mich jetzt nicht, als würde ich da komplett herausstechen. Ich habe darauf geachtet immer die Knie bedeckt zu haben und auch die Schultern. Und bin ehrlich gesagt erstaunt, wie viele Touristen sich wirklich absolut nicht informieren und mit Spaghetti-Trägern und HotPants durch die Gegend stolzieren.

Gleichzeitig haben wir auch viele Alleinreisende (ja, auch Blondinen) mit Rucksack reisen sehen. Hier ein hilfreicher Artikel dazu, falls jemand überlegt, als Frau allein durch Marokko zu reisen. Da möchte ich mir kein Urteil erlauben.

Im Grunde aber kann ich sagen, dass ich viel mehr das Gefühl hatte mich irgendwo doch unwohl fühlen zu müssen, weil das ja jeder so beschrieben hatte… aber so war es nicht.

 

1001-Nacht-Feeling? Öhm – nee.

Also zumindest nicht in den ersten Stunden. Wir stiegen an einem Bahnhof ein und aus, der moderner war, als die meisten in Deutschland. Groß, hell, modernes Grau, ein schöner Platz vor dem Eingang. Da kann sich Düsseldorf noch was von abgucken. Wir gingen weiter.

Moderne Neustadt in Fes

Große Boulevards, sauber, mit viel Grün bewachsen, große, schöne Kreisverkehre, normale Cafés… wir sahen eigentlich eine moderne, wunderschöne Stadt. Nur der Königspalast, an dem wir vorbei gingen, einige alte Tore, durch die wir hindurch spazierten und der Verkehr-Ohne-Regeln ließen uns daran erinnern, dass wir hier im Orient gelandet sind.

Königspalast von Fes

 

„Hier links. Hier beginnt gleich die Medina.“

Und dann ging es rein in die Medina der Stadt Fès. Medina, so nennt man hier de Altstadt. Und ab hier… ab hier begann der Orient!

Aber volle Dröhnung!

Eine Stadtmauer umrundet die Medina und durch große, pompösen Tore gelangt man hinein.

Tor zur Medina in Fes

Und die „1001-Nacht-Welt“ beginnt.

Es beginnen 11.000 schmale, verwinkelte Gassen, von denen bis heute keine Karte existiert.

Es beginnt die maximalste Orientierungslosigkeit, da sich dein GPS-Signale verabschiedet.

Es beginnen die Geräusche und Gerüche des Orients: Handwerker, Marktschreier, Gemüse, Obst, Fleisch, Hühner, Restaurants, Cafés, Tee, Leder, direkt aneinander gereiht.

Es beginnt die Suche nach dem Hostel, in dem dich dann die traditionelle Bauweise des Riads erwartet, von dem alle sprachen.

Es beginnt die älteste und originalste Medina, die noch existiert: Die Medina in Fès, in der wir über 1 Woche verweilen sollten.

Medina in Fes - Männertreff Medina in Fes - Handwerk Medina in Fes - Gemüsehändler

Und unser unbeschriebenes Blatt füllte sich langsam mit unseren eigenen, ersten Impressionen.

Unser erster Eindruck von Marokko?

Herzlicher, als gedacht.
Offener, als erwartet.
Moderner, als vorgestellt.

Aber eine Sache stimmte am Abend dann doch, als wir im Gemeinschaftsraum unseres Riads saßen: das 1001-Nacht-Feeling… das gibt es hier wirklich.

Das erste Mal im Riad in Fes


➸ UNSERE ROUTE, KOSTE, UNTERKÜNFTE UND REISETIPPS ZU MAROKKO
So viel zu unseren Erlebnissen. Jetzt brauchst du aber noch alle Infos, Tipps, unsere Unterkünfte und Adressen? Kein Problem: Haben wir alles einer Karte punktgenau markiert und übersichtlich festgehalten, mit Links und allem drum und dran! Hier haben wir alle Tipps gesammelt und aufgeschrieben!


🎥 VLOG • NATÜRLICH HABEN WIR BEI UNSERER ANKUNFT AUCH GEVLOGGT!


☛ LUST AUF MEHR?
Dann trag dich einfach für unseren Newsletter ein! Kommt montags! Zwar nicht jeden Montag, aber wenn, dann um 7.30 Uhr!


Und was haben wir noch erlebt? Lehn dich zurück und lies dich durch!

Marokko: Fes Reisebericht
weiter zu ►
Marokko • Planlos in Fès

6 thoughts on “Zum ersten Mal in Marokko • Unsere ersten Eindrücke

  • 01/05/2017 um 17:48
    Permalink

    Hi ihr zwei,

    schön darüber zu lesen! Euer Video zur Sahara war ja auch witzig! Ich glaube, das hat euch am besten gefallen. Euren fröhlichen Gesichtern nach jedenfalls :)

    Wir haben das Ziel Marokko ans Ende unserer Weltreise gesetzt um Freunde und Bekannte „während der Weltreise“ zu treffen. In die Wüste möchte ich auch auf jeden Fall. Und wenn man sieht, wie glücklich ihr dort seid, dann erst recht :D

    Lieben Gruß
    David

    Antworten
    • 31/05/2017 um 16:07
      Permalink

      Hi David!

      Die Wüste war wirklich ein Highlight unserer Reise durch Marokko! Der Sand um einen herum, die Weite und das Gefühl von Abgeschiedenheit und in eine andere Welt einzutauchen waren einfach einmalig! :)

      Wünsche euch eine tolle Reise und natürlich eine tolle Zeit in der Wüste!

      Liebe Grüße
      Daniel

      Antworten
  • 05/05/2017 um 19:52
    Permalink

    Hallo ihr Zwei,

    spannend, wie es euch an den ersten Tagen in Marokko erging. Das habt ihr super beschrieben!

    Ich finde mich da auch zum Teil drin wieder.
    Ich habe von Marokko Chaos und sehr viel „Einfachheit“ erwartet, dann aber, wie ihr, festgestellt, dass das Land doch ziemlich modern ist. Und noch dazu nach meinen Erfahrungen in Südostasien ganz gut sortiert :D.

    Was Nador angeht: Da bin ich ja fast beruhigt, dass ihr der Stadt so schnell den Rücken gekehrt habt. Weil ich das Lied „Nador“ von Namika so schön finde, hatte ich in Marokko die ganze Zeit das Gefühl, ich sollte mir die Stadt mal ansehen, hatte aber keine Zeit dazu ;-).

    Ich freue mich auf weitere Berichte von euch!! :-)

    Liebe Grüße,
    Marie

    Antworten
    • 31/05/2017 um 16:13
      Permalink

      Hi Marie! :)

      Ja, Marokko hat uns da auch total überrascht! Man kennt ja auch sonst immer nur die Bilder von den alten Städten mit den bunten Gewürzständen. :)

      Das Lied kennen wir gar nicht! Werden wir uns gleich mal anhören und dann vielleicht mit dir zusammen bereuen, nicht wirklich dort gewesen zu sein! :)

      Nach 6 Wochen in Marokko haben wir aber sowieso noch eine ganze Liste von Orten, die wir nicht gesehen haben, für die wir locker noch einmal 6 Wochen einplanen könnten. :)

      Liebe Grüße
      Daniel

      Antworten
  • 10/06/2017 um 15:42
    Permalink

    Ein toller Artikel, vielen Dank. Marokko steht auch auf unserer Liste für nach dem Sommer!
    Habt ihr Hunde auf der Straße gesehen? Wir sind nämlich mit Hund unterwegs, ich habe mich aber noch nicht weiter schlau gemacht.
    Liebe Grüße,
    Sandra

    Antworten
    • 14/06/2017 um 10:10
      Permalink

      Hi Sandra,

      danke dir! :)
      Wir haben in Marokko immer mal wieder Hunde auf der Straße gesehen, allerdings waren die meist total eingeschüchtert. Aus religiösen Gründen haben auch nur wenig Einheimische einen Hund als Haustier.

      Da wir selbst nicht mit Hund reisen, kann ich dir hier leider keine genauen Tipps geben, wie es mit Hund in Marokko ist. An sich sollte es kein Problem sein. Wie es dann aber vielleicht manche Hotelbesitzer sehen, ist wieder eine andere Sache.

      Sorry, das wir hier nicht weiterhelfen können. Aber vielleicht kannst du ja noch einmal berichten, wenn du mehr Infos hast.
      Ist bestimmt auch für andere Reisende mit Hund interessant. :)

      Liebe Grüße
      Daniel

      Antworten

Schreibe einen Kommentar zu Daniel • Geh Mal Reisen Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.