Masterarbeit abgegeben - Weltreise

Nach knapp 6 Jahren, 3 Universitäten, 55 Klausuren, verschiedensten Seminaren, Zusatzkursen, wissenschaftlichen Arbeiten und ca. 3.000 Tassen Kaffee ist es soweit, …

 

… die Masterarbeit geht in Druck

Die letzten Tage musste ich nochmal einige Kapitel überarbeiten, hab wenig geschlafen und war nervös wie vor einer Klausur.

Trotzdem aber noch fit genug im Kopf, um den Rechtschreibfehler zu finden, den mir der Copy-Shop-Druckereimeister auf das Cover setzen wollte. Schwein gehabt!

Das wäre ja eine ganz schön peinliche Nummer geworden. Erster Fehler auf dem Cover. Top!

 

Dienstag – 17.11.2015 – 11:56 Uhr

Es ist soweit. Nach 2 ½ Stunden durch Regen und Stau komme ich an der Uni an. Schnell einen Parkplatz gesucht, Rucksack geschnappt und ab zum Lehrstuhl. Gerade noch rechtzeitig! Die Sekretärin stand schon mit Jacke bewaffnet im Büro. Bereit, pünktlich um 12 Uhr ihren Feierabend einzuläuten.

„Puh, da habe ich Sie ja gerade noch erwischt! Ich wollte meine Abschlussarbeit abgeben.“ – „Ja, dann geben Sie mal her! Ich wollte zwar gerade gehen, aber dann mach’ ich eben noch einen Eingangsstempel drauf.“

Und ab da ging es so spektakulär weiter, wie man sich so eine Abgabe seiner letzten Studienleistung in seinen Träumen immer vorstellt:

Ich gebe ihr die Masterarbeit, sie nimmt den Stempel in die Hand. Plömp. That’s it! Ein alltäglicher Stempler für sie, das Geräusch von „hiermit ist dein Studium beendet“ für mich.

Nachdem ich die Arbeit jetzt seit 24h heldenhaft vor Dreck, Knicken und vor allem Regen schütze, bekommt sie beim Stempeln noch einen Tropfen Spucke der Sekretärin auf’s Cover… Herrlich. Aber bis zur Korrektur dürfte dann auch das wieder trocken sein.

 

Abgegeben.

Das war’s. Das war der letzte Weg zur Uni, die letzte Abgabe einer wissenschaftlichen Arbeit, der letzte Gang durch das Uni-Gebäude und das letzte Mal Pinkeln auf dem Uni-Klo.

Keine Vorlesungen oder Klausuren mehr. Kein Lehrplan, keine Skripte und kein Anschiss der Bibliothekarin mehr, wenn man was Anderes als Wasser in die Bücherei geschmuggelt hat.

Schon Wahnsinn. Ich bin jetzt 25 und habe die letzten 6 Jahre studiert. Das ist über ein Fünftel meiner Lebenszeit. Dabei habe ich eine Menge Antworten bekommen. Sogar unzählige Antworten auf Fragen, die ich ohne die Antworten nie gestellt hätte.

Trotzdem, ein paar hartnäckige Fragen bleiben auch jetzt noch ungelöst:

  • Warum hat das Prüfungsamt immer dann auf, wenn Studenten keine Zeit haben? Taktik oder Zufall?
  • Wie wird man Professor ohne Basiswissen in Excel und PowerPoint?
  • Universitäten haben Lehrstühle im Bereich Marketing, Finanzen, Personalwesen, Organisation, Informatik. Universitäten haben Probleme im Bereich Marketing, Finanzen, Personalwesen, Organisation, Informatik.
  • Denken die Mensaköche wirklich, dass die Tomatensauce vom Vortag plus Paprika eine Zigeunersauce ist?
  • Warum habe ich mehr Pins, Passwörter und Logins für die Uni als für mein Online Banking?

Ich hefte diese Fragen gedanklich einfach mal unter den X-Akten ab. Wenn aber einer die Antwort kennt, schreibt’s mir in die Kommentare!

 

Wie fühlt es sich jetzt an?

Frei. Frei. Und Frei. Es ist ein unfassbar gutes Gefühl! Die Arbeit ist abgegeben und ich glaube, ich habe noch nicht mal genau verstanden, was das gerade bedeutet. Der Prozess wird wohl auch noch etwas dauern.

Dabei erwische ich mich immer wieder, wie ich mir die selben Frage stelle: „Ich kann jetzt also von morgens bis abends die Dinge tun, die mich begeistern und Dinge, für die ich brenne? Kein Unizeug mehr zu tun, ja?“

An den Tagen nach Klausurphasen ging es mir eigentlich immer so, dass ich in ein „na toll und was mach ich jetzt“-Loch gefallen bin. Die ganze Zeit lernst du wie ein Bekloppter und regst dich über die Folien auf. Von morgens bis abends bis nachts. Dann schreibst du endlich die vorerst letzte Klausur, gehst nach Hause und … hast gefühlt nix zu tun.

Da sollte man doch eigentlich meinen, dass ich gerade jetzt nach dem kompletten Studium auch erstmal in so ein kleines Loch fallen sollte. Besonders nach der letzten Woche. Aber nix da. Keine Spur davon. Der nächste große Lebensabschnitt klopft schon an der Tür. Bereit hereingelassen zu werden. Mit dabei hat er einen Rucksack voller Abenteuer, Erlebnisse, Überraschungen und neuen Lektionen.

 

Die Weltreise wird das Studium 2.0

Ende Januar heißt es dann Abflug in diesen Lebensabschnitt, der vermutlich mehr Prüfungen bereithält, als die 6 Jahre an der Uni. Der Unterschied: Die Prüfungen kündigt keiner an. Es ist keine Anmeldung notwendig, keine Fristen und kein Prüfungsamt. Und der Lehrplan ergibt sich von selbst.

Das Lernen für diese Prüfungen sieht auch anders aus. Es geht um ausprobieren, fühlen, sehen und schmecken. Nicht um das stumpfe Aufsaugen von wilden Theorien, die von Professor XY gelehrt werden.

Das Tückische daran: Die Prüfungen kommen unvorbereitet und man nimmt sie erst wahr, wenn man sie bestanden hat oder durchgerasselt ist.

Bestanden hast du, wenn du mit Einheimischen ins Gespräch kommst, plötzlich Dinge verstehst und schätzt, die du vorher nicht mal wahrgenommen hast. Bestanden hast du, wenn du im richtigen Zug sitzt, obwohl du den Zielort nicht aussprechen kannst, das Reisebudget richtig kalkuliert hast und erfolgreich verhandelt hast. Bestanden hast du, wenn du mit fremden Menschen lachst, obwohl du kein Wort der selben Sprache sprichst.

Klassisches Beispiel für’s Durchfallen ist, wenn du nach einer Woche auf Reisen immer noch nicht Danke in der Landessprache sagen kannst.

Auf ein schickes Zeugnis musst du jedoch verzichten. Dafür gibt es etwas viel Wertvolleres: geballte Lebenserfahrung, eine gemischte Tüte mit Eindrücken aus den buntesten Kulturen und vielleicht noch die ein oder andere Narbe von einem Abenteuer am anderen Ende der Welt.

 

Dienstag – 17.11.2015 – 17:15 Uhr

Ich bin wieder zu Hause, Ania kommt gerade durch die Tür, die Flasche Sekt schon in der Hand und springt mir mit einem riesigen Lächeln um den Hals. „Geschafft! Das war`s! Wie fühlst du dich?“

„… wie jemand der gerade das letzte „Go!“ bekommen hat!“

 

Bevor es aber jetzt so richtig losgeht mit dem nächsten Lebensabschnitt muss ich nochmal kurz was loswerden:

KRAAAAAASS!  Ich – habe – meine – MASTERARBEIT – ABGEGEBEN!!!


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5 thoughts on “Der letzte Gang zur Uni vor der Weltreise

  • 12/09/2016 um 14:30
    Permalink

    „Universitäten haben Lehrstühle im Bereich Marketing, Finanzen, Personalwesen, Organisation, Informatik. Universitäten haben Probleme im Bereich Marketing, Finanzen, Personalwesen, Organisation, Informatik.“
    Bei diesem Satz musste ich gerade richtig lachen – einfach sehr treffend ;)

    Antworten
    • 12/09/2016 um 18:42
      Permalink

      Haha, freut mich! Aber seltsam oder?
      Eigentlich sollten Unis doch die am besten funktionierenden Einrichtungen der Welt sein, bei dem geballten Haufen an Experten und Fachbüchern au einem Fleck! :)

      Antworten
  • 21/11/2017 um 11:54
    Permalink

    Hallo Daniel!

    Mein Freund und ich sind ebenfalls Musterstudenten und planen eine Weltreise für Ende 2019. Nun wollten wir dich mal fragen – wie zum Teufel konntest du so viel Geld sparen? :D Ich könnte es grade noch hinbekommen weil ich Teilzeit arbeite, aber mein Freund ist da wirklich mächtig am struggeln. Hast du ein paar Tips – so von Student zu Student?

    Liebste Grüße

    Antworten
    • 16/01/2018 um 0:23
      Permalink

      Das würde mich auch brennend interessieren.
      Ich plane ebenfalls eine Asienreise nach meinem Master Ende 2019, allerdings bin ich froh wenn ich meine Wohnung und Lebensunterhalt finanziert bekomme. Keine Ahnung wie ich das Geld für die Reise zusammen bekommen soll. Habt ihr da ein paar Tipps?
      Liebe Grüße und großes Lob für den Blog

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      • 27/01/2018 um 9:41
        Permalink

        Hi Saskia und Andre! :)

        Da habt ihr beide aber den besten Plan, den man für sein beendetes Studium haben kann! :)

        Die Jahre vor der Weltreise konnte ich einiges beiseite legen, da ich neben dem Studium verschiedene Studentenjobs und bezahlte Praktika hatte und eine ganze Zeit lang keine großen Ausgaben nebenher hatte. Ich musste keine eigene Wohnung finanzieren, habe nie viel für Kleidung ausgegeben, keine neuen Handys gekauft oder Verträge abgeschlossen, … .

        Für die komplette Weltreise reichte das Geld allerdings nicht und ich musste zusätzlich noch was von dem Geld heranziehen, dass eigentlich von meinen Eltern und Großeltern für Dinge wie das erste Auto/Küche/etc. geplant war. Nur ich hatte es für die erste große Reise verplant. :)

        Als Tipp würde ich aber immer wieder als erstes nennen, dass man sich seine Einnahmen und Ausgaben genau vor Augen führt und am besten in einer Excel-Tabelle oder auf Papier festhält und gegenüberstellt. So bekommst du als erstes ein Gespür, an welchen Stellen du vielleicht noch die ein oder andere Ausgabe kürzen kannst, die vielleicht gar nicht nötig wäre und du siehst genau, wie viel denn eigentlich am Ende des Monats übrig bleibt und gespart werden kann.

        Für viele ist es aber auch eine Option, ohne Geld für die komplette Reise loszuziehen und während der Reise in verschiedenen Ländern zu arbeiten und die Reisekassen aufzufüllen oder gegen Unterkunft und Verpflegung zu arbeiten.

        Möglichkeiten gibt es auf jeden Fall viele! Am wichtigsten ist, dass ihr an eurem Reiseplan dran bleibt! :)

        Liebe Grüße
        Daniel

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