(🎥 Vlog zum Reisebericht)

Das Buch lag aufgeschlagen in meinem Zimmer auf dem Teppichboden, ich schaute wie immer gespannt auf jedes der Bilder, obwohl ich jedes einzelne schon tausende Male gesehen hatte. Mein Oma saß neben mir, sie kannte es mittlerweile auch schon in- und auswendig, war ja schließlich nicht das erste Mal, dass sie es mit mir durchblätterte.

Ich weiß nicht mehr, wie das Buch hieß, aber es wird etwas in die Richtung „Unser Dschungel“, „Die Tiere des Dschungels“ oder „Das Leben im Regenwald“ gewesen sein. Das war mir mit meinen 7-8 Jahren aber ohnehin egal – ich wollte es nicht lesen, ich wollte einfach nur die Tierbilder sehen. Immer und immer wieder.

So schauten wir auf Gorillas, Jaguar, Tiger, Elefanten, Schlangen, Krokodile und Papageien. Zu jedem Tier hatte sie was zu erzählen und zwischendurch glänzte ich mit dem Fachwissen, das man als 8-jähriger Dschungel-Doku-Gucker so hat und meine Oma war beeindruckt – zumindest hat sie immer 100% gegeben, so zu tun.

Damals war für mich klar: Ich will diese Tiere mit meinen eigenen Augen sehen. Auch wenn ich noch keinen blassen Schimmer hatte, wo dieser Dschungel überhaupt ist und wie man dorthin kommt.

 

20 Jahre später.

Ich habe gelernt, wo der Regenwald ist.
Auch, wie ich dorthin komme.

Und wieder saß ich auf dem Boden.
Nur war der Teppich dieses Mal nicht der meines Zimmers.

 

Sondern der des Dschungels.

Ich saß auf Erde, Matsch und Blättern. Krabbeltiere an meinem Gummistiefel. Mücken an meinem Ohr. Meine Oma saß dieses Mal zwar nicht neben mir, aber ich bin mir sicher, sie hat zugesehen. Sie hat zugesehen, wie ich nicht vor diesem einen Buch saß, sondern mit Kamera in die Bäume schaute und dieses Foto schoss:

Papagei im Amazonas-Regenwald

Ich war da!

 

Im Tapiche Reserve mitten im Amazonasgebiet

Um hierher zu kommen sind wir am Vortag mit vier Freunden vom Frachtschiff in Iquitos aufgebrochen. Wir fuhren 1,5 Stunden mit dem Bus, 3-4 Stunden mit dem Boot und weitere 4-5 Stunden mit einem kleineren Holzboot über die Seitenarme des Amazonas.

Tapiche Reserve: AnfahrtReisebericht: Anreise ins Tapiche Reserve

Ziel: die abgelegenste Dschungel-Lodge in peruanischen Amazonas-Gebiet. Das Tapiche Reserve.

Das Tapiche Reserve gehört einem Brasilianer, der hier mitten im Regenwald mehrere Hektar Land kaufte. Aus dem einfachsten, besten und gleichzeitig auch traurigsten Grund: Er wollte dafür sorgen, dass dieses Stück Natur… einfach Natur bleibt.

Nichts soll hier abgeholzt werden. Keine Tiere sollen hier gejagt werden. Dazu musste er aber die Jäger aus den umliegenden Dschungeldörfern vom jagen abhalten. Ihm war klar, dass das Jagen und der Verkauf der Tiere hier der einzige Weg für die Familien ist, Geld zu verdienen. Doch statt sie zu verbannen, trat er an sie heran mit einem Jobangebot.

Er musste das Stück Regenwald finanzieren und benötigte Einnahmen. Er beschloss, eine komplett aus Natur gebaute Lodge zu bauen. Ohne Elektrizität. Ohne viel SchnickSchnack. Und lädt Touristen hierher ein, um ihnen zu zeigen, wie Natur aussehen soll. Und dass es sie zu bewahren gilt.

„Das Geld der Touristen fließt zur Zeit 100% in das Tapiche Reserve – noch sind wir darauf angewiesen, aber sobald wir uns anders finanzieren können, werden wir nur noch selten Touristen hierher bringen.“

Tapiche Reserve von oben

Den Jägern bot er an, dass sie als Guide die Besucher durch den Dschungel führen. Wenn jemand den Dschungel kennt, dann sie, die hier aufgewachsen sind. Er gibt ihnen Geld, sie hören auf zu jagen. Einfacher Deal. Auch wenn viel Vertrauen und Enttäuschung dazu gehörten, gerade zu Anfang.

 

Und wir durften zu Gast bei der Natur sein.

5 Tage, 4 Nächte.

Jeden Tag stand eine mehrstündige Wanderung durch den Dschungel an und abends gingen wir mal im Amazonas für unser Abendessen angeln, mal gingen wir im Fluss mit Delfinen schwimmen, mal saßen wir in der Küche, mit Solarlichtern und unterhielten uns über alles, was wir erlebt haben.

Die Lodge ist so einfach gehalten, wie eine Lodge sein sollte: Ein kleines Haus für Touristen, 3-4 kleine Häuser für die Mitarbeiter, eine Art Aufenthaltsraum mit Hängematten, eine Küche mit Feuerstelle und ein Dusch-Klo-Haus.

Tapiche Reserve: Küche

Alles ist auf Stelzen gebaut und über Holzwege miteinander verbunden. Während der Regenzeit steht hier wohl das Wasser mehrere Meter höher.

Tapiche Reserve: Häuser

Die Häuser sind alle offen – dort, wo normalerweise Fensterscheiben wären, sind Moskitonetze. Wir hörten also immer und überall die Geräusche des Dschungels. Wir waren mittendrin.

Tapiche Reserve

Strom gibt es jeden Abend für ca. 2 Stunden aus einem Stromaggregat, getrunken wird Regenwasser und geduscht wird mit Wasser aus dem Fluss. Der einzige Kontakt zur Außenwelt ist ein Satellitentelefon, auf das man sich bei Wolken am Himmel besser nicht verlässt.

Für fünf Nächte lang nannten wir dieses kleine Dschungelparadies unser zu Hause.

Wir liebten es…

 

…und zwar von der ersten Sekunde und dem ersten Abend an!

Draußen war es dunkel, es zirpte und raschelte aus allen Ecken. Die Vögel waren verstummt und die Grillen und Zikaden übernahmen das Abendprogramm. Unterbrochen wurden sie nur vereinzelt von den dumpfen Affenrufen.

An den Stufen zu unserer Unterkunft saß auch schon unser erstes Haustieren für die nächsten Tage – eine kleine Tarantel.

Was dieses und die kommenden Haustiere fast alle gemeinsam hatten? Sechs oder mehr Beine. Aber wir wären auch enttäuscht gewesen, wenn es anders gekommen wäre.

Amazonas Regenwald: Spinne mit Baby

Wir lagen im Bett und waren eigentlich todmüde von der Anreise, dem Tag und der Aufregung – wollten aber keinen Moment verpassen. Wir lauschten also noch eine Weile den Geräuschen aus dem Regenwald, bis die Augen irgendwann zufielen und wir so ruhig und zufrieden geschlafen haben, wie schon lang nicht mehr.

 

4.30 Uhr morgens – der Wecker klingelte

Kalt duschen, anziehen und in die Küche zum Frühstück! Natürlich alles mit Taschenlampe, denn draußen war es ja noch dunkel.

Die Rucksäcke mit Kamera, Proviant und Regenschutz bepackt, saßen wir mit dem Sonnenaufgang im PekiPeki. Ein kleines hölzernes Langboot mit einem Motor, der beim Fahren tatsächlich blubbernd „pekipekipekipeki“ machte. Man konnte das Tageslicht in den letzten Minuten förmlich kommen hören.

Reisebericht: Erster Morgen im Tapiche Reserve

Das Zirpen wurde leiser und die Vögel und Affen stiegen wieder in das Dschungel-Konzert ein.

„Das ist Ronald! Euer Guide für die nächsten Tage.“ erklärte uns Ana. Sie leitete zusammen mit dem Brasilianer die Lodge und war in den nächsten Tagen unsere Übersetzerin. Spanisch-Englisch – Englisch Spanisch. Außerdem fanden wir später heraus, dass sie selbst Biologie studiert hatte und uns Vieles (eigentlich alles) über Tiere und Pflanzen erklären konnte.

Der eigentliche Hauptdarsteller in den nächsten Tagen war jedoch Ronald.

Er war erst Anfang 20, ist wenige Kilometer von hier in einem Dorf im Regenwald aufgewachsen und war mit 4 Jahren das erste Mal im Dschungel. Ein echtes Dschungel-Kind! Außerdem gehörte Ronald zu den erfahrensten Jägern des Dorfes – der Dschungel war sein Wohnzimmer.

Und genau das ist der Grund, warum er jetzt für das Tapiche Reserve arbeitet – sie geben ihm eine Alternative zur Jagd von gefährdeten Tieren. Denn die Jäger töten die Tiere nicht nur, um ihre Familie zu ernähren. Die meisten Tiere landen als Errungenschaften auf dem Markt – in der Ecke der Touristen-Souveniers in Iquitos.

Nun verdient er im Tapiche Reserve dasselbe oder sogar mehr Geld dafür, dass er mit dem Finger auf die Tiere zeigt.
Und nicht mehr mit dem Lauf des Gewehrs.

 

Es ging los.

Wir schipperten mit dem PekiPeki ein paar Minuten über das hellbraune Wasser, bis wir an einem komplett bewachsen Flussufer stoppten. „Wir sind da! Passt beim aussteigen auf, dass ihr nicht mit dem Fuß im Schlamm stecken bleibt!“

Vor uns eine kleine Anhöhe mit hüfthohem Gras und dahinter – Regenwald.
Kein Weg, kein nichts. Einfach nur Regenwald.

Tapiche Reserve: Peki Peki

Keiner ist steckengeblieben und es ging rein in den Amazonas-Regenwald.
Ronald voraus, wir hinterher und Ana am Ende.

Nach den ersten Metern machte uns Ana schnell klar, wo wir hier sind: „Leute! Leiser! Ihr müsst so leise wie möglich gehen, ihr verschreckt sonst die Tiere und dann seht ihr sie nicht. Langsam, Schritt für Schritt, keinen Mucks machen. Alles klar?“

Alles klar.

 

Langsam setzten wir einen Fuß vor den anderen.

Um jedes laute Geräusch zu vermeiden, versuchten wir natürlich auf keinen der Äste zu treten. Das Problem dabei: Der Boden war voller großer, knuspriger Blätter, morschen Ästen und Pflanzen, in denen man hängen bleibt und alles mitreißt. Und jeder kennt das: Wenn man sich besonders anstrengt, vorsichtig und leise zu sein…

Wandern im RegenwaldTrekking im Amazonas RegenwaldReisebericht - Amazonas Regenwald: Spinne mit Baby

Ronald bewegte sich hingegen lautlos querfeldein durch das Geäst.
Wir folgten ihm – bis er plötzlich stehen blieb.

Und Lauschte.
Den Kopf neigte.
Sich konzentrierte.
Und wartete.

Lauschen im Regenwald

Dann drehte er sich zu uns um, nickte und änderte plötzlich die Richtung. Er navigierte uns komplett nach Gehör und markierte unseren Weg, indem er kleine Pflanzenstängel umknickte.

Wir hörten natürlich auch die Tiere im Regenwald – aber einfach von überall!
„Wie viele Tiere hörst gerade?“, fragten wir einmal. Seine Antwort kam schnell. „Na alle. Aber ich konzentriere mich immer nur auf fünf.“
Natürlich.

„Für ihn ist es hier, wie für uns in der Großstadt“, versuchte Ana zu beschreiben. „Wir hören in der Stadt alles, wissen aber genau, was ein Auto, ein Bus oder ein Fahrrad ist. So ist es für ihn. Nur im Dschungel.“ und sie lächelte. Fast schon stolz. Als würde sie jedes Mal von Neuem genießen, wie beeindruckend und einnehmend die Natur und der Mensch sein kann.

Dabei ist es merkwürdig, aber manchmal kam ich mir dumm vor. Der, der erkennt, was ein Auto oder Moped ist, aber nicht weiß, dass das eine Geräusch von einem Vogel kam oder das Rascheln ein Affe sein musste. Während man leise durch den Dschungel geht, hat man viele Gedanken und es waren Tage, die viel in meinem Kopf bewegt haben, was das Thema Natur betrifft. Das Wort „Naturschutz“ klingt heute anders in meinem Ohr.

 

„Pssst. Leise. Hier hin. Runter!“

Ronald hatte etwas entdeckt und winkte uns leise zu sich runter auf den Boden. Sein Blick war fixiert in die Baumkronen, während er uns das Handzeichen gab. Wir setzten uns, leise, machten es ihm nach. Runter auf den Teppich des Dschungels. Erde, Matsch, Tiere, Blätter, Äste. Wir folgten seinen Augen, konnten nichts außer dichte Bäume erkennen.

Tierbeobachtung im Amazonas Dschungel

Plötzlich bewegte sich etwas!

Eine Affenfamilie! Über uns turnte plötzlich eine ganze Affenfamilie umher. Wir hätten sie niemals alleine gesehen. Sie verstecken sich bei Geräuschen und kommen erst wieder heraus, wenn es ruhig ist – Ronald hat sie jedoch schon vor Minuten durch den Regenwald gehört.

Affenbande im Amazonas RegenwaldAffenbande im Amazonas Regenwald - Reisebericht

Sie beobachteten uns. Zeigten sich, verschwanden wieder. Musterten uns. Wir waren still. Sie kamen näher, verschwanden wieder. Ich musste an die Affen in Malaysia denken. Die schon so sehr an Touristen gewohnt sind, dass sie ihnen die Rucksäcke öffnen und wissen, wie die Cola-Dosen zu öffnen ist.

Und diese Affen hier?
Fragten sich gerade, was dort unten überhaupt sitzt.

Tapiche Reserve: Dschungel Fotografie

Wir schlichen weiter hinter Ronald durch den Regenwald.
Er wusste wieder genau, wo er hinwollte. „Wartet hier!“, sagte er plötzlich und verschwand hinter den herunterhängenden Ästen und Blättern.

Wir hatten keinen Weg, auf dem wir gingen. Wir gingen kreuz und quer, wo uns das Gehör von Ronald hinführte. Hörte er links etwas, ging er links mitten rein. So wie jetzt.

Still blieben wir auf der Stelle stehen und versuchten uns lautlos gegen die Mücken zu wehren, bis er leise zurückkehrte und uns nur mit einem Handzeichen zu sich winkte und zu den Tieren führte.

Tierbeobachtung im Amazonas Regenwald

Wir folgten ihm. So leise es ging.
Und zwar für die nächsten 4 Tage.

Tapiche Reserve: Dschungel Trekking

 

„Wenn du einen neuen Köder brauchst, gib‘ Bescheid!“

Wieder auf dem Boot übergab Gustavo den anderen und mir eine selbstgeschnitzte Angelroute. Wir waren gerade raus zum Piranha-Fischen. Unser Abendbrot!

Gustavo kommt aus Argentinien, war eigentlich jahrelang Bergführer in Peru und der Welt, lebt aber seit ein paar Jahren hier im Dschungel und hilft im Tapiche Reserve. Und er hat jeden spüren lassen, wie sehr er seinen Job liebt!

Er grinste, schaute um sich auf den Fluss und die Bäume des Dschungels. „Das ist mein Büro. Ist es nicht einfach nur wundervoll? Gott, diese Natur ist so wundervoll!“, er wiederholte diesen Satz mindestens einmal die Stunde. Und wir wurden nicht müde, es von ihm zu hören. „Es gibt für mich keinen schöneren Platz auf der Welt… ich mein… schaut euch um!“ Nein, wir wurden nicht müde davon, denn er hatte mit jedem Mal mehr Recht. Mit jedem Tag, an dem wir mehr lernten.

„Diese Biester! Schnur durchgebissen! Wenn ihr einen am Haken habt, sagt mir oder Ronald Bescheid. Lasst bloß die Finger von ihnen! Wir hatten schon einen Profi-Angler hier, der das erste Mal Piranhas fischte und fast mit einem Finger weniger nach Hause gegangen wäre!“

Der erste Piranha biss an und ich holte ihn mit einem Schwung ins Boot. Gustavo packte den glitschigen, bisswütigen kleinen Racker und zeigte uns seine Zähne. „Du darfst ihnen nicht zu nahe ans Maul kommen! Sie haben einen Bissreflex und beißen sich immer weiter voran!“

Tapiche Reserve: Piranha angeln

Er zog den Haken aus dem Mund und in dem Moment rutschte der Piranha aus seinen Händen, zappelte und sprang durch das Boot. Gustavo war barfuß und konnte noch rechtzeitig seine Zehen retten! Und ich mein Ohr, denn als Ania einen an der Angel hatte, hat sie ihn mit so viel Schwung ins Boot geholt, dass sie mir den Fisch direkt mal seitlich ins Gesicht gehauen hat! :D

 

Abends saßen wir immer alle beisammen in der Küche

Die Piranhas nach Art des Hauses lagen bereit, mit Reis, Nudeln und Salat.

Tapiche Reserve Abendessen: Piranha

Die Köchin kommt auch aus einem der Dörfer hier im Dschungel, genauso wie der Rest der Mitarbeiter, die sich um die Lodge, die Boote und die nächtlichen Patrouillen gegen Wilderer und Holzfäller kümmern. Alles, um ihnen Jobs zu geben. Gekocht wird das, was auch die Dorfbewohner kochen und essen. Kein übertriebenes Buffet für Touristen, keine Extrawurst. „Nein, hier wird serviert, was auch im Dschungel gegessen wird!“, erklärte Ana. „So sehen die Dorfbewohner, dass die Besucher nicht anders behandelt werden, als sie. Wir respektieren, dass es ihr Zuhause hier ist.“

Reisebericht: Küche im Tapiche Reserve

Die Kochstelle war ein Feuer, wir tranken Ingwer-Tee, genossen die Dschungel-Kulisse und nach dem Essen gingen die Gespräche los: die Highlights des Tages!

Zum Beispiel:

 

…war die Schlange wirklich giftig?

An einem Tag schlichen wir durch den Dschungel und Ronald sah sie schon von weitem, schlich leise voran. Er zeigte in die Richtung, aber wir sahen mal wieder den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wortwörtlich quasi.

Wir gingen näher und merkten, wo er hin wollte.
Man sah nur den hinteren Teil einer langen Schlange.
Sie hatte sich um einen Baumstamm gewickelt und der Rest verschwand unter der Rinde.

Schlange im Regenwald

Langsam gingen wir um den Baum herum und die Stimmung war eine andere, als sie noch davor die Tage war, wenn wir ein Tier gesehen hatten. Ana war nervös und tuschelte mit Ronald. Sie gingen beide voraus. Die Schlange war nur wenige Meter von uns entfernt und regte sich nicht.

„Seid ruhig, bewegt euch nicht schnell und geht NICHT näher ran!“ so ernst hatten wir Ana noch bei keinem Tier erlebt. Selbst der giftige Skorpion stellte für sie keine große Gefahr da, als Ronald ihn uns auf einem Ast zeigte.

Reisebericht - Amazonas Regenwald: Giftiger Skorpion

Wir schlichen vorsichtig um den Baum und sahen ihn – den Kopf der Schlange. Sie hatte uns längst bemerkt und beobachtete uns. Regte sich aber keinen Millimeter. Sie schien aufmerksam. Wir gingen in die Hocke. Und starrten auf die zwei Augen, die uns ebenfalls anblickten.

Amazonas Regenwald: Giftige Schlange

„Wenn es die Art ist, die ich meine, ist sie blitzschnell. Und giftig.“ Der Blick von Ana war jetzt ernst. Ronald kannte die Schlange natürlich und war selbst total fasziniert von ihr. Sie ist wohl nur selten hier im Regenwald zu finden.

Ronald ging näher heran und winkte uns zu sich. Ich ging vorsichtig hinterher. Die ganzen Tage hatte ich gehofft eine Schlange zu sehen. Ich weiß nicht, was mich so fasziniert an ihnen. Diese Ruhe, dieser Respekt, diese Macht, das Elegante… ich weiß es nicht. Aber ich finde sie großartig.

Und nun stand ich im Amazonas vor einer giftigen Schlange und genoss es, die Macht der Natur zu spüren. Ich blieb hinter Ronald, vertraute darauf, dass er weiß, was er tut. Jetzt standen wir nur noch knapp 2 Meter von ihr entfernt und sie war wunderschön, respekteinflößend und erhaben. „Es ist ihr gerade zu heiß. Deswegen ist sie im Schatten. Sie wird sich nicht bewegen, es ist ihr zu anstrengend.“, sagte Ana und wirkte wesentlich entspannter.

Giftige Schlange im Amazonas-Regenwald

 

…sind wir heute tatsächlich mit Piranhas geschwommen?

Ja, sind wir!

Die Pumpe für die Dusche ist kaputt gegangen und ab da hieß es: Baden im Fluss! Nur wenige Meter von der Stelle entfernt, an der wir am Vortag noch Piranhas für unser Abendessen angelten.

Lebensmüde? Nein. Die kleinen Nager beißen nur an, wenn man eine offene, blutende Wunde an sich hat – oder wenn Profi-Angler angeln. Ansonsten schwimmen sie friedlich mit dir durch die Amazonas-Gewässer.

Baden im Amazonas

Was da noch alles neben uns geschwommen ist? Keine Ahnung, denn das Wasser ist durch den schlammigen Boden braun gefärbt und die Sicht ist gleich null. Allerdings wissen wir, was dort noch alles lebt: pinke Flussdelfine, Kaimane und auch Anakondas.

Wir bilden uns einfach mal ein, dass sie alle um uns im trüben Wasser herum geschwommen sind und behaupten stolz:
Wir sind offiziell mit Anakondas, Kaimanen, Piranhas und Flussdelfinen geschwommen! Pinken! :D

 

…haben wir ihnen wirklich zum ersten Mal eine Weltkarte gezeigt?

An diesen Abenden in der Küche ging es jedoch nicht nur um den Dschungel, sondern wir redeten auch über Gott und die Welt. An diesem einen Abend kam jedoch die Frage von den einheimischen Mitarbeitern aus den Dschungel-Dörfern auf: „Wo kommt ihr her?“

Eine alltägliche Frage.
Eigentlich.

Natürlich antworteten wir alle: Amerika und Deutschland.

Sie kannten die Ländernamen und fragten uns die nächste Frage: „Wie weit ist es von hier entfernt?“

Plötzlich hakte Ana zögerlich ein: „Hört mal, sie… sie sind alle sind hier aufgewachsen und haben das Amazonasgebiet niemals verlassen. Sie kennen keine Kilometer. Sie berechnen Entfernungen in PekiPeki-Stunden, sie berechnen Höhe nicht in Metern, sondern in Baumlängen und… sie kennen keine Weltkarte.“

Jemand aus unserer Gruppe griff zum Handy, öffnete die Weltkarte und setzte sich neben sie.
Es war das erste Mal, dass wir in einem Raum waren, in dem der Satz „Das hier… ist die Welt. Und das Blaue, das ist das Meer“ gesagt wurde.

Sie starrten alle auf das Handy. Still. Nickten langsam. Ana beobachtete lächelnd.
„Wo ist Frankreich?“, fragte plötzlich die Frau, die gekocht hatte. „So viele Touristen, die hierher kommen, sagen immer, dass sie aus Frankreich kommen. Also, wo liegt Frankreich?“ und sie schaute auf die Weltkarte.

Den restlichen Abend verbrachten wir alle zusammen über dem einen Handy und scrollten rein und raus. Zeigten unseren Standort hier im Dschungel, wo sie lebten und unsere Länder wo wir lebten.

Irgendwann zeigten wir Fotos von unserer Reise. Singapur-Bilder waren noch auf der Speicherkarte. Sie schauten ganz genau.
„Ihr müsst euch vorstellen“, sagte Ana, „die Stadt ist wie ein gigantischer Dschungel! Nur sind es keine Blätter und Bäume, sondern es ist alles ein Dschungel aus Stahl!“

Es war ein seltsamer und einzigartiger Moment zugleich.
Sie kannten unsere Welt nicht, aber wenn wir ehrlich sind, wir kannten ihre Welt auch nicht.

Wir haben zwar tolle Apps mit Weltkarten, Navi, haben Zugang zu Nachrichten aus der ganzen Welt – wie es aber auf dieser Welt aussieht, meinen zwar viele zu wissen, aber tatsächlich wissen es nur die wenigsten.

Und genau das haben uns Ronald und die anderen in den letzten Tagen gezeigt. Ana hat es in einem Satz auf den Punkt gebracht:
„Es ist ganz egal, wie viele Uni-Abschlüsse du hast – sie werden immer mehr über den Dschungel wissen, als du.“ Ihr Grinsen, während sie diesen Satz sagte, werde ich nie vergessen.

 

Haben wir wirklich 5 Tage im Amazonas-Dschungel verbracht?

Die Frage stellten wir uns allerdings nicht beim Abendessen, sondern zurück im Boot, auf dem Weg nach Iquitos.

Richtig begreifen konnten wir glaube ich alle noch nicht, was wir dort die letzten Tage alles erlebt, gesehen und gelernt haben. Aber ja, wir haben fünf Tage im Regenwald im Amazonas verbracht… in der abgelegensten Lodge im peruanischen Amazonasgebiet.

Liebe Oma – ich war endlich dort!


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10 thoughts on “Peru • 5 Tage durch den Amazonas-Dschungel im Tapiche Reserve

  • 29/03/2017 um 12:15
    Permalink

    Hallo, ihr beiden!

    So ein wunderschöner Bericht, der meinen Wunsch, wieder mal (länger) zu reisen nur noch verstärkt :)

    Die Frage, die sich mir beim Lesen stellte: Gab es während der mehrstündigen Bootsfahrt mal eine Klopause? Ich war nämlich in Malayisa mal drei Stunden mit so einem ähnlichen Boot unterwegs (nach Taman Negara, war sehr beeindruckend) und da war ich dann schon SEHR froh, als ich endlich aus dem konstant leicht vibrierendem Holzboot aussteigen und zum nächsten Klo rennen konnte :D Es war nämlich ziemlich heiß und ich hatte dementsprechend viel getrunken.

    Ja, solche Gedanken kommen mir…bin in manchen Dingen wohl eher pragmatisch.

    Liebe Grüße aus Wien,

    Alice

    Antworten
    • 30/03/2017 um 11:08
      Permalink

      Hey Alice!

      Danke dir! Die Zeit dort war einfach einzigartig! :)

      Jetzt zum Klo-Problem: :D

      Also an den Punkten, an denen wir von Bus ins Boot und vom Boot ins nächste Boot gestiegen sind, gab es Klos. Während der Fahrt im kleinen Boot hatte man die Wahl einzuhalten oder kurz Bescheid zu geben, um am am Ufer zu halten und kurz im Gras zu verschwinden. :)

      Wir waren jetzt allerdings zur Trockenzeit unterwegs. Während der Regenzeit steht das Wasser hier wohl ein paar Meter höher und auch der Wald ist unter Wasser. Wie da die Klo-Situation ist, kann ich dir nicht sagen – aber besser du gehst vorher noch einmal! :)

      Liebe Grüße aus Düsseldorf und wir drücken dir die Daumen, dass dein Wunsch einer längeren Reise ein Plan wird!
      Daniel

      Antworten
  • 14/04/2017 um 22:51
    Permalink

    Hey ihr Beiden,

    wenn ich mir diesen (und eigentlich alle anderen Beiträge auch) anschaue, bekomme ich so viel Fernweh, dass ich am liebsten direkt in den nächsten Flieger steigen würde, aber das dauert leider noch ein paar Monate…

    Ich finde es wirklich ziemlich cool, dass die Lodge und deren Team versuchen, etwas für die Umwelt zu tun und dabei noch die Indigenen miteinbeziehen. Ich werde die Lodge auf jeden Fall im Hinterkopf behalten und sobald ich nach Peru komme, auch, wenn möglich, dort dem Dschungel näher kommen. :)

    Ich hab mich nur gefragt, wie viel dieser Trip euch gekostet hat? (Wenn ich das überhaupt hier so fragen darf.) Das, was ihr dort gelernt und gesehen habt, lässt sich mit Geld ja eh nicht bezahlen, aber ihr habt geschrieben, dass sich die Lodge momentan noch durch Besucher finanziert, und da hab ich mich gefragt, wie das funktioniert, wenn doch nicht so viele Besucher dort hinkommen (sollen).

    Ich hoffe, meine Frage ist ok:)
    Liebe Grüße und euch noch viel Spaß,
    Jou

    Antworten
    • 17/04/2017 um 21:47
      Permalink

      Hey Jou,

      wenn wir bei dir Fernweh auslösen, haben wir ja alles richtig gemacht! :)

      Die Lodge und wie sie sich für den Regenwald und die Einheimischen Einsetzen ist wirklich einmalig! Wir würden auch sofort wieder hin! :)
      Klar kannst du fragen, wie teuer die Tage dort waren! :) Wir haben für die 5 Tage knapp 450€ pro Person gezahlt.

      Das ist ein Batzen Geld und die Tour dorthin ist 2-3 Mal so teuer wie manch andere angebotenen Touren in Iquitos. Haben daher selbst eine ganze Weile überlegt, ob wir es machen sollen oder nicht. Im Nachhinein bereuen wir aber keinen Cent, den wir dort reingesteckt haben und sind froh das Tapiche Reserve so unterstützt zu haben.

      Falls du generell einen Überblick über unsere Kosten, Route, Unterkünfte, etc. in Peru bekommen möchtest, schau gerne mal auf unserer Infoseite vorbei: https://www.geh-mal-reisen.de/peru-reisetipps-insider-tipps/peru-rundreise-route-kosten/

      Liebe Grüße und noch viel Spaß bei der Reiseplanung, bis es in ein paar Monaten losgeht :)
      Daniel

      Antworten
  • 18/04/2017 um 14:19
    Permalink

    Echt toller Bericht von euch beiden. Die „Klo-Frage“ fand ich jetzt echt interessant. ;) Ich mache mir darüber meist auch Gedanken. Echt cool, dass das mal hier beantwortet wurde.

    LG Tina

    Antworten
  • 07/05/2017 um 19:48
    Permalink

    Wow toller Bericht :) Wir hatten auch eine unglaubliche Zeit im Dschungel in Peru. Ins Wasser haben wir uns allerdings nicht gewagt :D
    Liebe Grüße Kristina

    Antworten
    • 08/05/2017 um 22:47
      Permalink

      Danke euch! :)
      Wo wart ihr denn in Peru im Dschungel unterwegs?
      Das nächste Mal hüpft ihr dann aber hoffentlich auch zu den Delfinen, Piranhas und Kaimanen! :)

      Liebe Grüße
      Daniel

      Antworten
  • 17/07/2017 um 10:34
    Permalink

    Hey ihr Beiden,

    erst mal vielen Dank für die tollen Berichte, da steigt die Vorfreude ja gewaltig :)

    Ich bin im Oktober und November in Peru und will auch unbedingt nach Tapiche Reserve. Diesbezüglich hätte ich noch zwei Fragen. Habt ihr die Tour kurzfristig vor Ort gebucht oder bereits vorab? Und gibt es auch die Möglichkeit die nördliche Reiseroute umgekehrt zu machen (d.h. von Lima/Cusco nach Iquitos mit dem Flugzeug und anschließend mit dem Schiff nach Yurimaguas) oder ist das nicht zu empfehlen?

    Liebe Grüße
    Adrian

    Antworten
    • 23/07/2017 um 19:53
      Permalink

      Hi Adrian!

      Danke dir! :) Bis Oktober ist es ja auch gar nicht mehr so lange hin! :)

      Wir haben dir Tour recht kurzfristig ein oder zwei Tage vorher gebucht. Hatten damit aber wohl richtig Glück, da wir uns auf dem Boot mit mehreren anderen Reisenden angefreundet hatten, die alle in den Dschungel wollten und sich mit uns gemeinsam für das Tapiche Reserve entschieden haben. Dadurch hatten wir genau eine Gruppe zusammen, um die Tour zu starten und das Tapiche Reserve hatte genau den Zeitslot frei. Ansonsten sind sie wohl immer ziemlich schnell ausgebucht.

      Um sicher zu gehen, schreibst du also vorher am besten einfach mal eine Mail hin und fragst an, wann Touren geplant sind und wann etwas frei ist. :)

      Was die Reiseroute angeht, sollte dies auch in die andere Richtung möglich sein. Die Fahrt dauert wohl nur 1-2 Tage länger, da es gegen den Strom geht. Wenn du aber genug Zeit hast, sollte das kein Problem sein. :)

      Liebe Grüße aus Belize und eine tolle Reise durch Peru! :) Falls du noch Fragen hast, meld dich gerne bei uns! :)
      Daniel

      Antworten

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