Angst vor der Weltreise

„Ihr könntet ja zum Beispiel überfallen werden“
„Oder, dass euch alles geklaut wird…“
„Ja einfach, dass euch was passiert halt…“

Es wäre gelogen, würden wir antworten, dass wir vor nichts und niemandem Angst hätten. Abgesehen davon, dass es ohnehin niemand glauben würde. Ich habe damals auch vor E.T. Angst gehabt und weigere mich bis heute, Horrorfilme zu gucken. Ja, natürlich kommen einem ab und an mal Gedanken, was eventuell passieren könnte auf der Reise.

Schließlich wissen wir: Wir bereisen nicht das Einhorn-Land. Allerdings… leben wir auch nicht im Einhorn-Land. Manchmal zweifeln wir daran, ob das jedem so klar ist, wenn uns die Frage gestellt wird.

 

Ja, klar kann das alles passieren.

Genauso, wie man hier von einem betrunkenen Autofahrer vom Bürgersteig gerissen werden kann.
Oder in der Altstadt an der nächsten Ecke beim Heimweg ausgeraubt werden kann.
Auch im 3-Wochen-Kuba-Urlaub kann einem was passieren.
Oder in New York, wo jeder mit einer Knarre rumlaufen darf.
Oder… in Paris.

Würde man theoretische Eventualitäten als Grundlage nehmen, müssten wir alle zu jederzeit in ständiger Angst leben und uns alle einsperren, damit nichts passiert. Und zwar ab sofort. Egal wo.

 

Wir sind uns einig: Die Vorstellung wäre beknackt.

Du fährst schließlich weiterhin auf der Autobahn, auch wenn Staus entstehen, weil dort Unfälle passieren – täglich.
Du gehst weiterhin mit Freunden was trinken, auch wenn du weißt, dass einem dort K.O.-Tropfen verpasst werden können.
Du gehst weiterhin in die Altstadt, auch wenn dort wöchentlich Prügeleien und Messerstechereien stattfinden.

Auch alles Gefahren, die vor der Haustür lauern. Der Unterschied scheint aber zu sein, dass man diese Gefahren irgendwo kennt, sich daran gewöhnt hat. Karneval hier in Düsseldorf zum Beispiel. :D

Das Ausland aber ist eben… das Ausland. Es ist unbekannt und ich schätze, es ist eher diese Angst vor dem Unbekannten, die einen dazu verleitet zu denken, dass es im gesamten Rest der Welt gefährlicher ist. Ist ja im ersten Schritt auch vollkommen in Ordnung und bestimmt wird uns auf Reisen irgendwo mal der Arsch auf Grundeis gehen und Angst aufkommen. Das wird sicher kommen und das ist auch gut so! Denn:

 

Angst ist das beste Tool überhaupt.

Angst ist etwas so unfassbar Nützliches! Ein natürlicher, integrierter Schutzmechanismus. Ich mein, würde man dich fragen, ob du in deinen Körper eine Funktion eingebaut haben möchtest, die dir Superkräfte verleiht, sobald du sie brauchst… wer würde da Nein sagen?!

Die Natur war so selbstbewusst und hat nicht gefragt. Sie kennt uns Menschen und hat das Feature in der Standardausstattung direkt mit eingebaut.

Angst macht auf Bedrohungen aufmerksam und alarmiert uns. Angst schärft unsere Sinne in Situationen, wo wir es am meisten benötigen. Wenn uns die Angst packt, spüren wir Herzrasen. Dadurch werden übrigens einfach nur mehr Blut und Nährstoffe in den Organismus geleitet – so werden wir schneller reaktionsfähig, der Körper stellt uns Energie bereit. Angst bringt uns zum zittern – weil der Körper uns auf Flucht oder Angriff vorbereitet.

Außer Fruchtfliegen in der Küche, hat die Natur selten etwas ohne Grund erschaffen. Und auch beim Thema Angst hat sie sich etwas gedacht und will uns damit nur helfen. Tut einem ja fast schon Leid, dass sie so einen negativen Ruf hat. Wobei sie dich eigentlich nur mit allem versorgen will, was du im richtigen Moment brauchst.

 

Und zwar dann, wenn Bedrohungen vor einem stehen.

Das Ding ist: Es ist keine Bedrohung, wenn man mit seiner Tüte Chips auf dem Sofa sitzt und sich jegliche theoretische schlimme Situation vorstellt, was alles vielleicht und unter Umständen passieren könnte. Oh, am besten dann noch Nachrichten einschalten und sich die Bestätigung holen. Und wenn man sich an diese auch noch klammert, ist das viel gefährlicher, als so viel anderes.

 

Denn Angst vor Eventualitäten kann dir dein Leben klauen.

Ernsthaft.

Sag nicht, dass du nicht fliegen willst, weil das Flugzeug eventuell abstürzen könnte. Du könntest die Reise deines Lebens verpassen.

Sag nicht, dass du niemals allein reisen wirst, weil du eventuell einsam sein könntest. Du verpasst vielleicht Freundschaften, die ewig halten werden.

Sag nicht, dass du nur aus dem Grund keine Weltreise machst, weil eventuell etwas passieren könnte. Denn… eventuell könnte auch einfach rein gar nichts passieren und du lebst nie, wovon du immer geträumt hast.

 

Einfacher Trick: Reisen mit Verstand.

So wie man im Auto nicht sein Portemonnaie offen rumliegen lassen sollte, so wäre es auch eine schlechte Idee mit seiner neuesten Canon-Spiegelreflex-Kamera um den Hals in ärmliche Viertel zu spazieren. Wenn man nachts nicht in ein bestimmtes Viertel in der Heimat geht, würdest du es genauso wenig im Ausland tun.

Man lernt, wie zu Hause auch, gewissen Situationen auszuweichen, aufmerksamer zu sein, wenn einem das Bauchgefühl gerade dazu rät und Gegenden zu meiden, die man einfach meiden sollte. Natürlich ist das keine Garantie, dass du wie auf Federn durch die Welt getragen wirst. Aber diese Garantie hast du nirgends, weder daheim noch dort draußen. Ja, du kannst dich fragen: „Was, wenn was passiert?“. Aber dann frag dich auch: „Und was, wenn nicht?“

 

Viele haben aber aus nur einem Grund Angst.

„Weltreise?? Würde ich super gerne machen, hätte ich aber viel zu viel Angst vor“.
Zack, Traum abgelegt. Man kann sich wieder genüsslich seiner Tüte Chips widmen und zurücklehnen. Man hat ein Argument, warum man nie aus seiner Komfortzone treten musste.

Diese Angst ist übrigens eng verwandt mit dem Gefühl, das man hat, wenn man vor großen Entscheidungen steht, die bedeuten, dass sich das Leben ändert oder man aus seinem gewohnten Umfeld austritt. „Lieber nicht. Zu viel Risiko.“

Damit macht man es sich ziemlich einfach, weil man nur an die negativen Eventualitäten denkt. Und die Chancen währenddessen überhört werden, wie sie rufen: „Hey, wir sind auch noch da…!“

Es sind die Chancen, die das Leben dir gibt. Wir haben vor Augen, wie uns Einheimische den Weg erklären, wie wir unter Polarlichtern zelten, wie wir den Regen im Regenwald spüren und klatschnass in die Unterkunft laufen, wie wir aus einer selbst geholten Kokosnuss trinken, wie wir sehen, wo der Kaffee herkommt, die bunte Unterwasserwelt sehen, die Tiefe von Wasserfällen, die Tiere, wie sie nicht im Zoo hocken, Expeditionen in Naturgewalten mitmachen dürfen.

Wir denken an Eindrücke, die uns den Atem rauben.
Und wenn uns dabei jemand die Kreditkarte raubt – ich denke, damit könnten wir dann leben…

 

Wovor wir aber wirklich Angst haben.

Ok. Es gibt da wirklich einige Dinge, um die wir uns bereits jetzt Gedanken machen. Wir sind ja ehrlich.
Wir haben zum Beispiel jetzt schon Angst davor…

  • …Dünnpfiff zu bekommen und zu merken, dass weit und breit kein Klo ist
  • …Kamera/Laptop zu verlieren oder einfach irgendwo zu vergessen (Spezialität von mir)
  • …mit dem undichten Gehäuse der GoPro im Meer zu filmen, ohne es zu checken
  • …beim Cage Diving keinen Weißen Hai zu sehen
  • …es während der Reise nicht aus Asien rauszuschaffen, weil es allein da viel zu viel zu sehen gibt
  • …die LoginDaten des Blogs vor lauter neuen Eindrücken zu vergessen
  • …Abende mit Reisenden zu verbringen, die Ironie nicht verstehen
  • …niemals eine Kakerlake im Zimmer zu haben. Man ist kein Weltreisender, wenn man nicht einmal eine Kakerlake im Zimmer hatte! *Update 19.02.2016 Wir hatten bereits nach 19 Tagen unsere erste Kakerlake im Zimmer! Wir sind nun offiziell Weltreisende!!
  • …sich einzugestehen, dass man wohl eine Niete im Surfen ist
  • …nach der Reise vor weniger Dingen Angst zu haben – aber immer noch vor E.T.

 


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2 thoughts on “Angst vor der Weltreise: „Ist das nicht zu gefährlich?“

  • 16/12/2015 um 9:34
    Permalink

    Als ich vor 26 Jahren (wow, jetzt fühle ich mich gerade mal so richtig alt!) das erste Mal meinen Rucksack für eine große Reise gepackt habe, sah die Welt für Traveller noch etwas anders aus. Kein „Free Wifi everywhere“, keine Reiseblogs mit Tipps & Tricks, keine Online-Informationen zu Unterkünften oder Verkehrsverbindungen. Ein Anruf nach Deutschland, um Familie & Freunden zu sagen, dass man noch lebt, riss ein ordentliches Loch ins Budget. Nix Skype & Co. Im Gegensatz zu meinen Eltern hatte ich nie Angst, wenn ich auf Reisen ging. Das Vertrauen in mein Bauchgefühl, mein Gespür für Situationen und meine Menschenkenntnis hat mich Gott sei Dank nie getäuscht. Aber sie waren da: Momente der Angst. Sogar richtige Sch**angst!
    ….wenn du in eine bewaffnete Straßensperre gerätst und dir einer den Gewehrlauf ins Auto streckt. Da fragst du nicht „who the f** are you“ und „dürft ihr das überhaupt“? In Schweiß gebadet ist man einfach nur froh, wenn alles glimpflich vorüber ist.
    ….wenn du dich nach einer Woche Brech-Durchfall fast im Delirium zum Urwalddoktor schleppst und einfach schluckst, was er dir hinlegt.
    ….wenn du vom Pferd abgeworfen wurdest und im Galopp wie in einem schlechten Western, mit dem Fuß im Steigbügel hängend, eine gefühlte Ewigkeit den felsigen Abhang hinunter geschleift wirst.
    Bei aller Vorbereitung, Wachsamkeit und gesundem Menschenverstand. Gefahrenlagen treten auf Reisen meist so unvermittelt auf, dass Du Dich dann eh auf sämtliche eingebaute Tools verlassen musst. Was anderes beleibt dir da ohnehin nicht mehr übrig. Ich werde auch künftig meine Reisen ohne Angst antreten und ich gehe auch weiterhin auf Weihnachtsmärkte oder fahre für ein verlängertes Wochenende nach Paris. Über die Jahre hat sich allerdings eines verändert: meine Bucketlist. Vielleicht wegen des Alters? Vielleicht aus Angst? Nein. Ganz simpel: weil sich meine Bedürfnisse und Wünsche verändern. Und außerdem wollte ich einfach noch nie mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug springen. :-)

    Euch wünsche ich sooo viele tolle Erfahrungen und dass ihr die Gefahrenlage meistert, wenn sie einmal eintreten sollte!
    Alles Liebe,
    Manuela

    Antworten
    • 22/12/2015 um 10:29
      Permalink

      Manuela,

      ich habe diesen Kommentar glaube ich bereits 10 Mal gelesen und er motiviert, ermutigt, genauso wie er einen erinnert, was auf einen in der Realität wartet… es ist ja fast schon der perfekt ergänzende Blogbeitrag für sich! :)

      Ich vertraue darauf, dass es kein Zufall war, dass wir uns 2012 kennengelernt haben und nun über das gleiche sprechen, das wir lieben! :)
      Danke für deine Worte und ich freue mich unglaublich auf mehr Kommentare!!!

      Ganz viele liebe Grüße, fühl dich gedrückt!

      Ania :)

      Antworten

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