5 Tage vor der Weltreise

Vor einem Jahr durchflutete einen nichts außer „Bald geht unser Traum wirklich in Erfüllung!!!!“ und weiter gingen die Gedanken noch gar nicht außer an die Vorbereitung. Und wir fragten uns: „Oh man, wie wir uns fühlen werden, wenn es erst richtig losgeht!!“

Ja, wie fühlen wir uns jetzt, kurz bevor es richtig losgeht?

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Ha, krass, nachdem ich gerade die Frage hier getippt habe, verharrten die Finger über der Tastatur. Das einzige Wort, das uns dafür einfällt, wäre eines, mit dem wir glaube ich vor einem Jahr nicht gerechnet hätten.

Anders.

 

Es ist eine andere Vorfreude.

„Bald geht es lohoooos!!!“, sagen uns viele mit einer Freude im Gesicht, die größer aussieht, als unsere. „Ja… bald geht es los…“, antworten wir und grinsen leicht, nicken mit dem Kopf. Atmen aus. Und das Gefühl, das wir dabei spüren, haben wir uns wohl beide anders vorgestellt. Wir dachten, wir könnten es absolut nicht erwarten, wir dachten, wir würden uns so freuen, wie ein kleines Kind vor Weihnachten.

Ja, es ist eine Vorfreude. Aber eine andere.

Es ist nicht eine Aufregung, die in uns flattert wie ein kleines Feuerwerk… eher… ein leises, dumpfes brodeln im tiefen Innern. Es fühlt sich an, wie die Ruhe vor dem Sturm.

Das Gefühl, dass etwas Großes kommt, man nur nicht weiß was. Das Gefühl, dass sich bald alles ändern wird, man nur nicht weiß, was. Und wie.
Und das Gefühl, es schlicht und einfach nicht greifen zu können.

Manchmal wünsche ich mir, dass wir diese Kleinkind-Freude hätten. Man sagt doch immer, die Vorfreude ist die schönste Freude. Aber dann merke ich, dass es dieses Mal eigentlich besser ist. Nämlich anders herum. Nicht die Vorfreude wird das Beste daran. Sondern die Freude während der Reise. Wenn wir mittendrin sind.

Doch jetzt gerade ist der Kopf noch bei anderen Dingen. Wie der Vorbereitung.

 

Und es ist eine andere Vorbereitung

Was wünschen wir uns die Checkliste einer 3-Wochen-Reise zurück! Wenn der Reisepass noch gültig war, waren wir schon froh. Damit war der größte Brocken der Liste weg. Noch ein bisschen aufräumen, Sachen waschen, rechtzeitig am Flughafen sein (zweit-größter Brocken), fertig.

Und jetzt?
Arbeitsamt. Post. Auslandskrankenversicherung. Auto. Wohnung. Arztbesuche. Führerschein. Digitaler Speicherplatz. Und wie machen wir das mit dem Online-Banking am sichersten? TAN-Generator mitschleppen!? App auf’s Handy? Oder doch die TAN-Liste?

Fragen und To-Dos, die bei weitem nicht so viel Spaß machen, wie Sonnencreme bei dm einkaufen und das Gefühl zu haben, damit alles an einem Tag erledigt zu haben.

Es ist eine nüchterne Vorbereitung. Die einen oft auf den Boden der Tatsachen zurückholt: Irgendwie muss man ja auch unangenehme Dinge im Hinterkopf haben. Falls was passiert, müssen alle Dokumente, Nummern und Kontaktdaten abrufbar sein. Wo legt man was am besten ab? Wenn was geklaut wird, wenn wir uns mal verletzen, wenn mal jemand ins Krankenhaus muss, und und und. Das sind dann die anderen Seiten der Vorbereitung.

Aber das ist gut. Es hilft, einen realistischen Blick auf die Weltreise zu bekommen. Nicht naiv an das Ganze heranzugehen, sondern sich zu informieren, bewusst zu machen, dass man eben auch an solche Dinge denken muss. Schließlich haben wir keine Lust nur von Bucht zu Bucht zu hoppen und abends einen Beitrag zu schreiben, welcher Cocktail am besten war. Nein. Wir wollen intensiver reisen. Und damit einher geht auch die Wahrnehmung für… alles.

 

Es ist eine andere Wahrnehmung geworden

Wir hören anders Radio. Wir lesen die Nachrichten anders. Wir reden über andere Themen als noch vorher. Denn auf einmal trifft es einen den Tacken mehr, als sonst, wenn über das Weltgeschehen gesprochen wird.

Ein Haze in Indonesien, von dem die deutschen Medien nur still berichten, der aber wohl die größte Umweltkatastrophe des 21. Jahrhunderts sein wird. Nur um Nutella und Shampoo und Lippenstift weiter zu produzieren. „Wie, in Indonesien spuckt man graue Brocken, weil der Smog so krass ist?!? Und wie, die brennen den Regenwald ab??!“ Auf einmal googlet man Berichte darüber, weil man wissen will, was einen dort erwartet und vor allem die große Frage nach dem Warum.

Klimawandel. Ein Wort, das selten einfacher über die Lippen ging. Jetzt schauen wir uns Videos an über die Veränderung in Grönland. Was es zur Folge hätte. Was bald alles nicht mehr da sein wird. Alles, was die Welt doch aber braucht. Landschaften, die wir doch so lange auf unserer Wunschliste hatten, sie einmal sehen zu dürfen.

Terror in Deutschland. Und in Indonesien. Und in Bangkok. Man hört genauer hin, bei allen Meldungen. Das Warum ist hier wohl das Größte. Und es wird immer größer, je mehr man davon hört. Egal wo. Es trifft einen, ob es in Paris oder woanders auf der Welt ist. Alles erscheint auf einmal nah.

Es sind keine Nachrichten mehr, die nur im Hintergrund dudeln.
Es sind keine Länder mehr, die irgendwo da in Asien oder Südamerika sind.

Auf einmal öffnet man die Augen, bekommt den Drang, etwas tun zu wollen und schaut nicht nur vor die Haustür, sondern in die Welt, mit einem anderen Gefühl. Und ich bin gespannt, welche Augen und welches Verständnis uns die Weltreise geben wird. Und wie wir die Welt ein Stück besser machen können mit unseren eigenen Händen vor Ort.

 

Ein anderer Abschied

Ja, wir sind ja nicht aus der Welt. Ja, wir können jederzeit zurückkommen und ja, die Zeit wird sicherlich fix vergehen. Wissen wir. Es sind trotzdem keine tröstenden Worte, wenn man sagt, dass man noch nicht an den Abschied denken will.

Niemand kann uns erzählen, dass er vor der Weltreise High-Five mit der Familie gemacht hat und mit einem Freudensprung raus aus der Tür, rein in den Flieger ging.

Wir werden uns von unseren Eltern nicht am Flughafen verabschieden. Sondern daheim. Im geliebten Umfeld und nicht inmitten von einer Masse fremder Menschen und lautem Gerödel im Hintergrund. Sondern zu Hause und gemütlich. Es wird geflennt. Das ist klar.

Aber… irgendwie ist auch gerade das… das Schöne. Einfach weil einem durch solche Situationen bewusster wird, wie reich wir sind, eine solche Familie zu haben. Man wird ja oft verleitet, es als Selbstverständlichkeit zu sehen im Alltag. Doch in letzter Zeit ist nichts Alltag für uns. Keine Unterstützung ist selbstverständlich, keine Hilfe und keine einzige Stunde, die wir miteinander verbringen können. Hätten wohl nicht gedacht, dass wir das mal so kitschig beschreiben würden, aber genauso fühlt es sich an. Und genau das ist auch das Schöne, an diesem anderen Abschied.

Es ist einfach ein gutes Gefühl zu spüren, wie man sich jetzt schon darauf freut, Skype anzuschmeißen und zu sehen, zu wissen, dass es allen gut geht … und natürlich um zu zeigen, wo wir gerade sind, was wir erlebt haben und wie verflucht braun (oder rot -.-) wir geworden sind! :D

Es ist nicht greifbar, was auf uns zukommt, aber umso mehr, was hier und jetzt gerade jeden Tag passiert.

 

Und für heute bleibt die Antwort auf die Frage, wie wir uns fühlen: anders.

Und schlagen wir die Weltkarte auf, hören unsere Lieder, sehen die Videos über die Schätze der Welt an, sehen unsere Rucksäcke, wird uns mit einer unvergleichlichen Wucht klar: Es ist genau das richtige Anders. Keine Aufregung, die man erwartet hatte. Sondern das andere Brodeln im Innern, das ankündigt: Das andere Leben wartet vor der Tür!


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2 thoughts on “5 Tage vor der Weltreise – „Und, schon aufgeregt?“

  • 04/09/2016 um 19:49
    Permalink

    Schöner und nachdenklicher Artikel! Dieses Brodeln anstelle von großer Vorfreude spüre ich ebenfalls 2 Wochen vor meiner Reise ohne festes Enddatum. LG, Veronika

    Antworten
    • 04/09/2016 um 21:04
      Permalink

      Hey Veronika!

      Lieben Dank für deinen Kommentar!
      Und schön zu lesen, dass es nicht nur uns so ging! Merkwürdiges Gefühl, oder? Aber irgendwie auch ein Zeichen, dass man erkennt, dass etwas Großes auf einen wartet!
      Die 2 Wochen werden wie im Flug vergehen – lass alles auf dich zukommen und dann kommt der große Knall!

      Hab eine wundervolle Reise!!
      Liebe Grüße aus Peru,
      Ania :)

      Antworten

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